Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weiber?

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Also zieht bitte immer einen Tierarzt zu Rate. Selbstverständlich könnt Ihr die hier gegebenen Tipps und Ratschläge mit Eurem Tierarzt besprechen.
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Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weiber?

Beitrag von lapin » Di 26. Jul 2011, 15:42

Oft lese ich, dass ein Eingriff der letzte Schritt bei Meerschweinchen-Weiber sein sollte.
Und Meerschweinchen sind privilegiert für Zysten.
Hier wird mit Hormonen oder natürlichen Mitteln versucht gesunde Ziele zu erreichen.

Warum ist das bei Meerschweinchen anders, als zb bei Hunde und Kaninchen.
Hier spricht man sogar von prophylaktischer Komplett Entfernung, um Krankheiten im Alter vorzubeugen.

Hab ich da jetzt was missverstanden? Oder gibt es da tatsächlich ne ganz andere Sichtweise? Und wie kam es dann dazu?


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von saloiv » Di 26. Jul 2011, 17:23

Mein Tierarzt sieht das auch so...
Bei Kaninchen und Hündin alles weg, beim Meerschwein nur im Notfall... Meerschweinchen sind halt ein Stückchen kleiner und empfindlicher...

Meine Meinung dazu:
Kastration nur dann, wenn sie auch offiziell erlaubt ist (TschG) und nicht vorbeugend.

Zur Kaninchen-Kastra beim Weibchen schrieb ich vor kurzen:
Zu diesem Thema streiten sich die Kaninchenliebhaber...

Es gibt die eine Position, die darauf hinweist, dass Gebärmutterkrebs & -veränderungen bei Kaninchen recht häufig sind und einige Kaninchen daran erkranken. Das Problem ist, dass diese Erkrankungen meist zu spät/gar nicht diagnostiziert werden, so die Kaninchen daran sterben. Daher empfiehlt diese Seite, die Kaninchen grundsätzlich zu kastrierten (wie dein Tierarzt). Zudem machen sie darauf aufmerksam, dass junge Kaninchen die Kastration besser wegstecken als ältere. Und viele Halter lassen ihre Kaninchen nicht regelmäßig untersuchen bzw. nicht speziell auf Gebärmutterprobleme, einige sind auch kaum feststellbar und viele Halter reagieren nicht auf typische Symptome solcher Erkrankungen.

Die andere Seite weist darauf hin, dass zwar Gebärmuttererkrankungen häufig sind, aber das noch kein Grund ist das Kaninchen unnötig einer so schweren Operation auszusetzen. Streng genommen verstößt eine vorsorgliche Kastration auch gegen das Tierschutzgesetz in Deutschland, weil kein Grund vorliegt (sie ist nicht nötig um Nachwuchs zu verhindern und medizinisch besteht auch kein Grund). Die Gesetzesgrundlage ist § 6 TschG "Verboten ist das vollständige oder teilweise Amputieren von Körperteilen oder das vollständige oder teilweise Entnehmen oder Zerstören von Organen oder Geweben eines Wirbeltieres.". Die Gebärmutter ist ein Organ, die dabei entnommen wird. Man bedenke auch das Narkoserisiko, das mit einer solchen Operation verbunden ist. Stirbt das junge Weibchen durch die Narkose oder OP-Folgen so ist es unnötig gestorben. Stirbt es bei einer Kastration die medizinisch notwendig war, sieht es anders aus.
Zudem gehört die Gebärmutter zum Körper des Kaninchens. Auch der Geschlechtstrieb ist eine ganz natürliche Sache und Scheinschwangerschaften ganz normal. Warum muss man das Kaninchen an die Bedürfnisse des Menschen ("pflegeleicht") anpassen? Einem gesunden Kaninchen ohne Grund die Gebärmutter zu nehmen und sie somit hormonell auch extrem zu beeinflussen ist für das Kaninchen eigentlich nicht in Ordnung.
Die entstehenden Narben behindern das Kaninchen (der Bauch wird von oben bis unten aufgeschnitten, dadurch ist die Haut später weniger elastisch usw. usf.). De meisten Krebserkrankungen an der Gebärmutter entstehen erst im voran geschrittenen Alter (ab etwa dem 5 Lebensjahr) auch wenn es Ausnahmen gibt. Tierärzte warnen oftmals zu früh, da sie eben besonders häufig solche Veränderungen an der Gebärmutter sehen. Allerdings sehen Tierärzte auch viele Zahnerkrankungen was aber kein Grund ist, den Kaninchen vorsorglich die Vorderzähne zu ziehen. Das die Ärzte die Erkrankung so oft sehen liegt daran, dass sie eben vor allem kranke Kaninchen mit Verdacht auf eine solche Erkrankung operieren und nicht die breite Masse der gesunden Tiere. Zudem ist nicht jede Gebärmutterveränderung gleich der Tod. Wenn ein Kaninchen mit 8 Jahren eine solche Veränderung leicht aufweist, stirbt es sehr wahrscheinlich eher an etwas anderen als an dieser. Denn erst im fortgeschrittenen Stadium ist sie tödlich. Der Tierarzt sieht sie beim 8 Jahre alten Kaninchen aber dieses Tier hätte eigentlich nie operiert werden müssen...

Meine Meinung dazu:
Alle jungen Weibchen zwangsweise zu kastrieren halte ich für übertrieben und unnötig und auch (siehe oben) als tierschutzwidrig.
Ich empfehle aber sich genau zu den Symptomen zu informieren, die auf Erkrankungen der Gebärmutter auftreten können:
Aggressivität, Unruhe, Schmerzen beim Abtasten, häufige Scheinschwangerschaften (bis zu 2 oder 3x im Jahr ist ganz normal, ist das Weibchen dauerhaft schweinwanger ist es hingegen auffällig), Schweidenausfluss, allgemeine Krankheitszeichen wie Mattigkeit, geringe Nahrungsaufnahme, Abmagerung bei einem recht dicken Bauch oder sogar einer Gewichtszunahme...
Wer sicher gehen möchte macht lieber bei Verdacht oder vorsorglich eine Röntgenaufnahme oder ein Ultraschall (eher nur bei Verdacht) und lässt das Tier von einem guten Tierarzt abtasten. Diese Vorkehrungen zusammen mit der Kenntnis über die Symptome sind für das Kaninchen deutlich schonender aber genauso sicher.
Bei Hündinnen finde ich es zur Geburtenkontrolle sinnvoll (je nach Haltung und Hund) oder aus gesundheitlichen Gründen, bei Kaninchen und Meerschweinchen halte ich es nur im Notfall aus medizinischen Gründen vertretbar.


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von lapin » Di 26. Jul 2011, 17:27

Sind Zysten dann nicht "ENTFERNUNG aus gesundheitlichen Gründen"?

Eine Gebärmutterveränderung bei Kaninchen ist selten zu erkennen (weder Röntgen, noch zu ertasten...ja sogar schallen kann nix aufzeigen), erst wenn man die OP durchgeführt hat und das Organ in der Hand hält, wird es definitiv ersichtlich...wie rechtfertigt sich also so etwas?!

Bei Hündinnen wird Kastration aus gesundheitlichen Gründen empfohlen....selten zur Geburtenkontrolle :hm:!


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von saloiv » Di 26. Jul 2011, 17:34

Zysten sind genau wie Gebärmutterverändeurngen nicht grundsätzlich ein gesundheitliches Problem. Zum Problem wird beides, wenn dadurch andere Organe verdrängt werden, das Kaninchen/Meerschweinchen Symptome zeigt oder beeinträchtigt ist.
Fast jedes Meerschwein hat Zysten und fast jedes Kaninchen Gebärmutterveränderungen. Behandlungsbedürftig sind sie nur, wenn das Tier dadurch beeinträchtigt ist oder Schaden nimmt...
Von dem her finde ich es völlig übertrieben alles wegzuschneiden was bei drei nicht auf dem Baum sitzt. Ähnlich wie bei Zähnen. Nicht jede Zahnanomalie ist gleich behandlungsbedürftig, auch wenn sie nicht mehr "normal" ist. Behandelt wird sie nur, wenn das Tier dadurch eingeschränkt wird oder geschädigt.


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von Curly » Di 26. Jul 2011, 18:08

Als Argument die Geburtenkontrolle zu nehmen, fänd ich bei Kleintieren
(Meerschweinchen, Kaninchen, Maus usw.) wesentlich sinnvoller und wichtiger als beim Hund.



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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von Miss Marple » Di 26. Jul 2011, 18:23

Curly hat geschrieben:Als Argument die Geburtenkontrolle zu nehmen, fänd ich bei Kleintieren
(Meerschweinchen, Kaninchen, Maus usw.) wesentlich sinnvoller und wichtiger als beim Hund.
Böcke werden ja aus diesem Grund kastriert. Nur ist bei Weibchen der Eingriff aufwändiger.
Klar, in der Vergangenheit sind mehr als die Hälfte der Weibchen an der Kastration verstorben. Zum Einen, weil die OP - Geräte für Kleintiere noch nicht so weit entwickelt waren, zum Anderen, weil die meisten Tiere erst zur Kastration kamen, als sie sowieso schon stark abgebaut hatten.
Mittlerweile gibts immer mehr Weibchen, die frühzeitig kastriert werden und den Eingriff gut überstehen. Allerdings gibt es dann eben auch die Berichte, dass sie keine "Weibchen" mehr sind und nicht mehr in die Gruppe integriert werden. Inwieweit das wirklich so ist? :hm:
Anders als bei den Kaninchen verweist diebrain auf diese Veränderung:
Meerschweinchenweibchen ohne Gebärmutter/Eierstockzysten zeigen leider auch kein normales Verhalten mehr. Sie werden natürlich nicht mehr brommselig. Dadurch stehen sie sogar teilweise in der Rangordnung regelrecht außen vor. Der Bock versteht die Ablehung des Weibchens gegenüber seinem Werben nicht, das Weibchen wird mitunter regelrecht vergewaltigt oder bleibt ganz außen vor. Eine normale Interaktion zwischen Kastrat und Weibchen findet nicht mehr statt. Das kann zu massiven Rudelproblemen führen, denn gerade kastrierte Meerschweinchenböcke haben meist weiter eine relativ normale Sexualität und leben diese mit ihren Weibchen aus. Und die Weibchen scheinen durchaus nichts dagegen zu haben, alle 14 - 18 Tage "ihren" Bock ein wenig verrückt zu machen und ihre Sexualität mit ihm auszuleben - ganz im Gegenteil scheint das den Zusammenhalt der Gruppe ganz klar zu stärken. Es gibt wirklich keinen Grund, den Tieren das Sexualleben und ihr normales Rudelleben vorzuenthalten und ihnen vorsorglich ein gesundes Organ zu entfernen, nur weil es evtl. mal krank werden könnte. Hand aufs Herz, meine Damen: auch wenn Sie keine Kinder haben möchten: würden Sie sich Ihre Gebärmutter mal eben entfernen lassen, weil sie krank werden könnte? Oder legen Sie Wert auf Ihre Hormone und halten Sie eine OP ebenfalls für eine blutige und riskante Angelegenheit, die man sich gern erspart?
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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von lapin » Di 26. Jul 2011, 18:26

Da kann man das ja über die Männchen Kastration steuern...aaaaaaber, wenn man (gerade Kaninchen) in Außenhaltung hält...ist es wieder die Frage der Geburtenkontrolle, zwecks aktiven Wildkaninchen..,
Hier wäre also der Einwand Geburtenkontrolle tatsächlich wichtiger, als bei Hunden, da ich bei Hunden wesentlich mehr Einfluss darauf habe (muss man halt wachsam sein)!

Da sind Meerschweinchen wieder im Vorteil, zu der Exotischen Haustierart zu gehören...und somit nix "Wildes" sie begatten kann.

@ Miss Marple....nur versteh ich da wiederum auch nicht, was Meerschweinchen Bock von anderen Männlichen Lebewesen unterscheidet...
Kaninchen und Hunde (MÄNNER) müssten doch ebenfalls noch Bedarf haben?! :hm:


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von saloiv » Di 26. Jul 2011, 18:28

Curly hat geschrieben:Als Argument die Geburtenkontrolle zu nehmen, fänd ich bei Kleintieren
(Meerschweinchen, Kaninchen, Maus usw.) wesentlich sinnvoller und wichtiger als beim Hund.
Kleintiere (Kaninchen, Meerschweine etc.) bleiben bei ihren kastrierten Böckchen/Rammlern und daher braucht man nicht für Geburtenkontrolle bei den Weibchen zu sorgen.
Hunde reisen auch mal aus oder irgend ein Hund bespringt sie schneller als du schauen kannst. Zudem musst du sie dann während der Läufigkeit von allen männlichen Artgenossen fern halten, was das Sozialleben erheblich einschränkt. Wenn man dann die Läufigkeit überhaupt rechtzeitig erkennt...


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von Miss Marple » Di 26. Jul 2011, 18:41

lapin hat geschrieben:@ Miss Marple....nur versteh ich da wiederum auch nicht, was Meerschweinchen Bock von anderen Männlichen Lebewesen unterscheidet...
Kaninchen und Hunde (MÄNNER) müssten doch ebenfalls noch Bedarf haben?! :hm:
Sicher. Aber in dem Fall sollte man bei der einen Tierart bleiben und schauen, wie bei ihr die Geburtenkontrolle am risikoärmsten ist. Meerschweinchenböckchen sterben rel. selten an Kstrationsproblemen. Wenn, dann an einem Kastrationsabszess.
Bei Meerschweinchenweibchen ist das Sterberisiko trotz modernerer Methoden und Aufklärung deutlich höher.
Und Böcke verändern im Gegensatz zu Weibchen ihr Verhalten nach der Kastration selten.


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von lapin » Di 26. Jul 2011, 18:43

Wie kann man das erklären...
Meerschweinchen Weibchen verändern sich komplett nach einer Kastra und leben dann abgeschieden von der Gruppe, Männchen hingegen beeinflusst dieser Eingriff nicht im geringsten?!


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von Miss Marple » Di 26. Jul 2011, 18:52

Das ist derzeit der offizielle Wissenstand.
Ich habe mal Sabrina von den SOS - Meerschweinchen angemailt. Die haben schon mehrere Weibchen aus med. Gründen kastrieren lassen und wohl die meisten Erfahrungen in Sachen Verhalten.


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von saloiv » Di 26. Jul 2011, 18:56

lapin hat geschrieben:Wie kann man das erklären...
Meerschweinchen Weibchen verändern sich komplett nach einer Kastra und leben dann abgeschieden von der Gruppe, Männchen hingegen beeinflusst dieser Eingriff nicht im geringsten?!
Natürlich werden die Männchen durch diesen Eingriff stark beeinflusst. Wenn du einen Leitrammler kastrierst, der vorher eine gute Stellung in der Gruppe hatte, rutscht er rapide in der Rangordnung ab und verhält sich auch völlig anders. Einige werden sogar krank. Kastrierte Rammler haben eine andere Gruppenstellung, ein anderes Verhalten und einen anderen Gesundheitszustand. Wenn man das Tier kastriert in eine Gruppe integriert fällt es nicht auf, aber wenn du eine Gruppe mit unkastrierten Rammler hältst und diesen kastrierst, ist es sehr auffällig.


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von Miss Marple » Di 26. Jul 2011, 18:59

saloiv hat geschrieben:Natürlich werden die Männchen durch diesen Eingriff stark beeinflusst. Wenn du einen Leitrammler kastrierst, der vorher eine gute Stellung in der Gruppe hatte, rutscht er rapide in der Rangordnung ab und verhält sich auch völlig anders. Einige werden sogar krank. Kastrierte Rammler haben eine andere Gruppenstellung, ein anderes Verhalten und einen anderen Gesundheitszustand. Wenn man das Tier kastriert in eine Gruppe integriert fällt es nicht auf, aber wenn du eine Gruppe mit unkastrierten Rammler hältst und diesen kastrierst, ist es sehr auffällig.
Viola, meinst Du jetzt bei Meerschweinchen oder Kaninchen?
Ich habe ja nun den 2. Kastraten und die sind bzw. war sehr männlich, Rudelchef und seyuell sehr aktiv. Stitch Penis ist ziemlich oft draussen und voller Sekret und Streu, dass er ihn nicht mehr einziehen kann. :hehe:


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von saloiv » Di 26. Jul 2011, 19:09

Das bezog sich jetzt auf Kaninchen...

Das beim Männchen der Unterschied nicht so auffällt liegt daran, dass die wenigsten den Vergleich kastriert - unkastriert kennen. Weibchen kennt man gewöhnlich unkastriert, Männchen kastriert.


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von Wildkaetzchen » Di 26. Jul 2011, 19:27

Hallo,

wie schon geschrieben haben wir einige Weibchen kastrieren lassen müssen. Es waren insgesamt 5 Stück. Entweder sie hatten Gebärmuttertumore oder kamen mit solch großen Zysten bei uns an, dass schon Organe verdrängt wurden. Nur eines verstarb knapp eine Woche nach der Op, da es die Fäden wohl nicht vertrug und es massive Wundheilungsstörungen gab.
Ich selbst hatte zwei der Weibchen, sie haben die Op´s alle sehr gut überstanden und fraßen sogar am selben Tag wieder. Bei der einen musste ich garnicht zufüttern, bei der anderen nur minimal. Die Wunden verheilten jedesmal ausgezeichnet, keinerlei Probleme.
Zum Verhalten. Bei keinem unserer Weibchen konnten wir Verhaltensänderungen feststellen Die ruhigen Mädels blieben ruhig und die Zicke, blieb zickig.

Eines der Weibchen wurde in einer große Gruppe von 6 oder 7 Tieren vermittelt, müsste ich schauen und war dort der ruhige Pol. Die anderen kamen zu jeweils einem Bock oder zu zwei Tieren, auch absolut unauffällig.
Was mir aber gerade aufgefallen ist, also ich in unserem Bestandsbuch nachschlug, alle Tiere verstarben innerhalb eines Jahres oder sogar früher nach der OP. Gibt es da einen Zusammenhang? Waren die Tiere generell schon zu angeschlagen?

Angeschlagen defintiv, sie kamen aus schlechten Haltungen oder lebten schon lange mit den Zysten oder Tumoren, weil die Halter entweder nichts bemerkten oder die Tä keinen Handlungsbedarf sahen.....


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von lapin » Di 26. Jul 2011, 19:41

Das klingt von den Ergebnissen ja sehr ähnlich wie bei den hier aufgezählten Beispielen, Hund und Kaninchen.
Das heißt, abhängig von dem Tier ist jeder Eingriff verkraftbar und verändert auch nicht groß den Charakter.
Diese Einstellung, der Eingriff als LETZTEN Schritt zu sehen, halte ich persönlich aber für sehr gesund.

Wären Kaninchen und Hunde bei entsprechenden Verdachten ebenfalls gut mit Ovarium oder Homeel bedient?
Oder ist hier der Eingriff schon die bessere Lösung, weil bewährter??


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Beitrag von Miss Marple » Di 26. Jul 2011, 19:45

Wildkaetzchen hat geschrieben: Zum Verhalten. Bei keinem unserer Weibchen konnten wir Verhaltensänderungen feststellen Die ruhigen Mädels blieben ruhig und die Zicke, blieb zickig.
Sehr interessant! Ich habe bisher noch nicht finden können, woher ursprünglich die Aussage stammt, dass kastrierte Weibchen sich verändern, ausgegrenzt werden usw. Vorstellbar ist es ja, weil sich der Hormonhaushalt verändert. :grübel:
Wildkaetzchen hat geschrieben:Was mir aber gerade aufgefallen ist, also ich in unserem Bestandsbuch nachschlug, alle Tiere verstarben innerhalb eines Jahres oder sogar früher nach der OP. Gibt es da einen Zusammenhang? Waren die Tiere generell schon zu angeschlagen?
Ich glaube, um dazu etwas sagen zu können, bräuchte man noch mehr Erfahrungen. Aber erst mal würde ich denken, dass der Allgemeinzustand bereits zu schlecht war.


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Re: Vorsorglich kastrieren, aber nicht Meerschweinchen-Weibe

Beitrag von Wildkaetzchen » Mo 1. Aug 2011, 18:13

Ja, ich denke das ist mal wieder eine der vielen Behauptungen im www, die sich eben wunderbar hält..... *augenroll*

Hm, wie schon geschrieben, die Tiere kamen ja meist schon in einem nicht so guten Zustand zu uns, dass sie aber ein Jahr nach der Op aufgrund dessen sterben *achselzuck* Aber wie du schreibst, durch jahrelang schlechte Haltung und Fütterung.... das spielt sicherlich auch eine Rolle.


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