Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

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Gandalf
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Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

Beitrag von Gandalf » Sa 13. Apr 2019, 12:01

Ich wollte das gleich mal aufgreifen und schreib das unter den "Hunden", weil es sich sehr oft um Hunde handelt. Ich finde aber, dass es auch um Katzen gehen sollte.

@lapin schrieb im Thema "Rechte der Tiere 20:15 auf 3sat 4.4.2019":
Der Bericht begann mit dem Tierheim in Berlin.
Hier ist das größte Problem, Hunde die aus dem Ausland hergebracht werden und mit den hier bestehenden Umständen, wie Leinenzwang, eingeengt in Wohnungen etc nicht zurecht kommen, dem Halter zu anstrengend sind und deswegen die Tiere wieder weggeben.
Bekannt ist, dass das retten von Auslandhunden einfach zusätzliche Schwierigkeiten zu den eh schon bestehenden Problemen mit den Inlandstieren mit sich bringen.
Müsste es hier bessere Regelungen am Zoll geben?
Warum retten Menschen lieber Tiere aus dem Ausland, als die hier lebenden Tiere?
Was sagt ihr dazu?
Wie sinnvoll ist es, Hunde und Katzen nach Deutschland zur Vermittlung zu verbringen?
Nehmen die Auslandstiere den Tieren in Deutschland den Platz im Tierheim oder den Endplatz weg?



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Murx Pickwick
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Re: Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

Beitrag von Murx Pickwick » Mo 15. Apr 2019, 15:12

Es macht keinen Sinn, Tiere aus dem Ausland nach Deutschland zur Vermittlung zu schaffen.
1) Man ändert dadurch nix an der Situation im Ursprungsland.
2) Man fördert dadurch den Tierhandel und auch das Geschäft mit dem Tierleid.
3) Es gibt zwar Gesetze zum Import von Tieren aus dem Ausland, um die Ausbreitung von Tierseuchen im eigenen Land zu umgehen, aber diese Gesetze werden nur allzuoft umgangen. Es gab mal ne vorsichtige Schätzung eines Journalisten, der den Import von Tierschutzhunden nach Deutschland beobachtete - er ging von über 80% illegal nach Deutschland verbrachten Hunde aus!
4) Viele der Hunde und Katzen sind Straßenhunde und verwilderte Katzen. Nur selten gelingt es, solche freiheitsliebenden Tiere in eine Wohnungshaltung zu quetschen.
5) Die Tierheime jammern deutschlandweit, sie seien überfüllt ... wenn sie jedoch überfüllt sind, aus welchen Gründen nehmen sie dann überhaupt noch importierte Tierschutztiere zusätzlich auf? - In einigen Tierheimen sitzen über 70% importierte Hunde und Katzen. Hunde und Katzen aus der Region können teilweise gar nicht mehr angenommen werden! Weiterhin wird nur allzuoft mit der Überfüllung der Tierheime die Tötung von Listenhunden gerechtfertigt - ist das wirklich noch Tierschutz?
6) Hunde und Katzen aus dem Ausland werden oft unter grausamen Bedingungen nach Deutschland transportiert, um solche Transporte wirtschaftlich zu gestalten und die Seuchenschutzgesetze bei Import zu umgehen.

Sicher - es gibt immer die Sonderfälle und Ausnahmefälle, wo es tatsächlich sinnvoll ist, einen Hund oder eine Katze aus dem Ausland mitzubringen - aber das sind dann wirklich Ausnahmefälle! Dazu braucht es doch keine Massenimporte!
Den Hunden und Katzen ist doch nicht damit geholfen, daß sie von der Straße weggefangen werden, unter oft grausamen Bedingungen über Tausende von Kilometern transportiert werden, um dann in unseren Tierheimen zu versauern, weil es keine geeigneten Halter für sie gibt!



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Re: Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

Beitrag von Gandalf » Di 16. Apr 2019, 17:09

Das kann ich so nicht stehen lassen
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
Es macht keinen Sinn, Tiere aus dem Ausland nach Deutschland zur Vermittlung zu schaffen.
1) Man ändert dadurch nix an der Situation im Ursprungsland.
In Spanien z.B. gehen (spanische) Mitglieder der Vereine in die Schule und klaeren die Kinder auf, zeigen den Kindern, wie man mit Tieren umgeht, auch legen viele Vereine Wert darauf, dass vor Ort vermittelt wird.
Hunde Katzen sieht man nicht mehr auf den Maerkten zum Verkauf und Hunde hinter den Schaufenster von Tierlaeden sind inzwischen eine grosse Ausnahme
Es ist nicht grundsaetzlich so, dass die Tiere nur verbracht werden und sonst nichts gemacht wird.
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
2) Man fördert dadurch den Tierhandel und auch das Geschäft mit dem Tierleid.
Tierhandel? Kann sein, aber das bedeutet nicht unbedingt "ein Geschaeft mit dem Tierleid".
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
3) Es gibt zwar Gesetze zum Import von Tieren aus dem Ausland, um die Ausbreitung von Tierseuchen im eigenen Land zu umgehen, aber diese Gesetze werden nur allzuoft umgangen. Es gab mal ne vorsichtige Schätzung eines Journalisten, der den Import von Tierschutzhunden nach Deutschland beobachtete - er ging von über 80% illegal nach Deutschland verbrachten Hunde aus!
Ja, da kommt es schon sehr auf die einzelnen Vereine/Orgas an.
Aber 80 %? Das sagt ein Mann, der natuerlich gar nicht alles pruefen kann, der ueberhaupt nicht involviert ist - das glaube ich nicht. Und dann kommt es schon darauf an, von welchem Land und welcher Orga er spricht.
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
4) Viele der Hunde und Katzen sind Straßenhunde und verwilderte Katzen. Nur selten gelingt es, solche freiheitsliebenden Tiere in eine Wohnungshaltung zu quetschen.
Hunde haben sich seit Jahrtausenden dem Menschen angepasst und ja sie schaffen es sogar relativ leicht, sich in Deutschland gut und schnell anzupassen. Bei Katzen weiss ich es nicht.
Ein Strassenhund muss nicht immer ein Strassenhund gewesen sein....
Angsttiere solle man sicher nicht nach Deutschland verbringen, aber auch da kenne ich mehrere Menschen, wo diese Tiere einigermassen gut leben koennen - was Erfahrung, Geduld und auch Zeit braucht.
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
5) Die Tierheime jammern deutschlandweit, sie seien überfüllt ... wenn sie jedoch überfüllt sind, aus welchen Gründen nehmen sie dann überhaupt noch importierte Tierschutztiere zusätzlich auf?
Ja die deutschen Tierheime sind an ihre Grenzen gekommen, der Grund hierfuer ist aber weniger "ueberfuellt", sondern eher das Fehlen von Unterstuetzung in Form von Geld (Gemeinden, Spenden etc.).
Auf vielen Grundstuecken der Tierheime kann man noch ausbauen.
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
In einigen Tierheimen sitzen über 70% importierte Hunde und Katzen. Hunde und Katzen aus der Region können teilweise gar nicht mehr angenommen werden! Weiterhin wird nur allzuoft mit der Überfüllung der Tierheime die Tötung von Listenhunden gerechtfertigt - ist das wirklich noch Tierschutz?
Ich weiss nicht, wo du das her hast.
Viele Tierheime haben Partnertierheime aus dem Ausland, sie arbeiten zusammen und wenn Platz ist, holen sie Hunde/Katzen aus dem Partnertierheim.
Warum sie das machen? Weil Menschen z.B. kleine/mittelgrosse Hunde moechten, aber keine vorhanden sind.
Niemand nimmt einen grossen Hund, der eigentlich einen Kleinen moechte.
Diese verbrachten Tiere werden in den Tierheimen dann vermittlungsfaehig gemacht, so dass sie auch in Deutschland in eine Familie vermittelt werden koennen.

In Deutschland sitzen sehr oft grosse und auffaellig gewordene Hunde, oder alte und kranke Hunde, die den neuen Besitzer wiederum viel Geld kosten

Tierheime in Deutschland sind ueberhaupt nicht verpflichtet, Hunde/Katzen aufzunehmen, sie muessen nur die Tiere aufnehmen, die eingezogen wurden oder Fundtiere - aber nur, wenn sie Vertraege mit der Gemeinde eingegangen sind.
Die Vertraege von den Fundtieren beinhalten, wie lange die Gemeinde den Unterhalt, Tierarztkosten usw. tilgen, geht aber meist bei nicht ueber 30 Tage.
Fuer die eingezogenen Tiere sind wieder andere Vertraege zustaendig.

Die Listenhunde werden nicht einfach so getoetet, weil kein Platz mehr ist, ob sie getoetet werden koennen/muessen entscheidet eine Komission, wenn ich es recht weiss, muss sie aus 5 Personen bestehen, wovon mehrere nicht dem Tierheim angehoeren duerfen, dabei ist das Vet.Amt.
Das ist bei jedem Hund so im Tierheim, nicht nur bei den Listenhunden so.
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
6) Hunde und Katzen aus dem Ausland werden oft unter grausamen Bedingungen nach Deutschland transportiert, um solche Transporte wirtschaftlich zu gestalten und die Seuchenschutzgesetze bei Import zu umgehen.
Schau, dass ist jemand, der das sehr oft macht - aber er ist auch "nur" einer von vielen
https://www.transcanis.com/unternehmen/
Wobei es da nun wirklich auf die Vereine/Orgas ankommt, welchen Transporteur sie beauftragen.

Ich wuerde nun auch nicht den Transport mit den Seuchenschutzgesetze aufrechnen.
Im Ausland unterscheiden sich die Impfkosten erheblich von denen in Deutschland.
Zudem sind alle Krankheiten, die die Hunde mitbringen koennen, bereits in Deutschland, da die Sandmuecke bzw. die spez. Zecken bereits in Deutschland heimisch sind.
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
Sicher - es gibt immer die Sonderfälle und Ausnahmefälle, wo es tatsächlich sinnvoll ist, einen Hund oder eine Katze aus dem Ausland mitzubringen - aber das sind dann wirklich Ausnahmefälle! Dazu braucht es doch keine Massenimporte!
Da kommen in einem Jahr tausende von Hunden/Katzen nach Deutschland und du meinst, das sind alles "Ausnahme- und Sonderfaelle"? Viele Familien sind sehr gluecklich mit ihren verbrachten Tieren.

In Spanien gibt es bereits Tierheime, die mit traumatisierten Hunden arbeiten - bevor sie vermittelt werden. Traumatisierte Hunde werden oft gar nicht ins Ausland vermittelt, da schaut man schon, dass sie vor Ort bleiben koennen.....auch die Groesse der Zwinger sind inzwischen oft angepasst, wobei man aber unterscheiden muss, ob es sich um ein privates oder ein staedtisches Tierheim handelt.
Die meisten Hunde leben aber in Rudelhaltung, was ich persoenlich artgerechter finde, als die 2-3 Hunde-in-einem-Zwinger-Haltung in Deutschland
Murx Pickwick hat geschrieben:
Mo 15. Apr 2019, 15:12
Den Hunden und Katzen ist doch nicht damit geholfen, daß sie von der Straße weggefangen werden, unter oft grausamen Bedingungen über Tausende von Kilometern transportiert werden, um dann in unseren Tierheimen zu versauern, weil es keine geeigneten Halter für sie gibt!
Die Tiere werden nicht von der Strasse weggefangen, ohne, dass sie einen Aufenthalt in einer Orga oder Tierheim haben, sie werden ausreisefertig gemacht, wenn man einen Pflege-/Endplatz oder einen Tierheimplatz hat - was einige Zeit in Anspruch nimmt, die man natuerlich dann auch nutzt.

Nein, die verbrachten Hunde sind fast immer schnell vermittelt. Bei Katzen weiss ich es nicht.
Diese schnell vermittelten Hunde aus dem Ausland sichern aber die Unterhaltskosten/Tierarztkosten etc. der nicht mehr zu vermittelnden (alte, kranke auffaellige) Tiere in Deutschland - eben, weil Geld in die Kasse kommt

Wobei es sehr wichtig ist zu unterscheiden, ob es sich um eine serioese oder unserioese Orga handelt

Was waere denn deine Loesung fuer die Hunde/Katzen im Ausland?



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Re: Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

Beitrag von Kim » Fr 19. Apr 2019, 13:58

Ich finde Auslandstierschutz wichtig und richtig.
Aber dazu gehört für mich in aller aller allererster Linie die Arbeit im Ausland selbst. Kastrationsprojekte bei Straßentieren, Aufklärungsarbeit, je nach Land einfach auch Entwicklungshilfen selbst.

Das Exportieren der Tiere nach Deutschland sollte in meinen Augen der allerletzte Schritt sein. Nämlich dann, wenn eine Hilfe für ein bestimmtes Tier im Einzelfall im Inland nicht mehr gewährleistet werden kann (zum Beispiel in medizinischer Hinsicht). Und auch dann nur, wenn bereits ein End-, oder zumindest Pflegeplatz in Deutschland gewährleistet ist.

Und ich bin da auch ganz bei Murx. Das einfangen von Straßenhunden ist nicht immer empfehlenswert..in vielen Fällen seh ich es sogar als deutliche Vergrößerung des Tierleids an.



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Re: Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

Beitrag von Gandalf » Fr 19. Apr 2019, 18:56

Kastrationen bei Strassenhunden ist nicht sehr sinnvoll, da ist eine Sterillisation sinnvoller.

Eine Kastration bringt nur das ganze Rudelgefuege durcheinander, eine Sterillisation erhaelt die wichtigen Hormone, so dass die Rudelfuehrer weiterhin die Rudelfuehrer bleiben koennen, sich aber nicht mehr vermehren koennen



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Re: Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

Beitrag von Mrs Rabbit » Fr 19. Apr 2019, 19:23

Von einer Sterillisation rate ich ab. Das ist meiner Ansicht nach absolut nicht sicher. Die Mutter von meiner Katze Bijou war sterillisiert, es wuchs wieder zusammen und schwups war die Katze schwanger. Die Katze musste später erneut operiert werden um neuen Nachwuchs zu vermeiden!


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Re: Auslandstierschutz vs Tierschutz Deutschland

Beitrag von Gandalf » Sa 20. Apr 2019, 18:10

Ich denke, es ist sehr, sehr selten, dass es wieder zusammen waechst.



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