Perfektes Heim für Meeris!

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TamAra
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Perfektes Heim für Meeris!

Beitrag von TamAra » Mo 7. Sep 2020, 10:32

Hallo an alle!
Ich habe mich soeben hier neu registriert um mir Tatkräftig von eurem Schwarmwissen Inspirationen..Tipps und Ratschläge zu holen.
Nun zu meinem Anliegen.
Wir wollen in unserer Familie Meeris aufnehmen...ich habe mich schon reichlich belesen aber je mehr man liest umso verwirrter bin ich.
Wir wollen uns 3 Meeris holen und diesen ein Gehege aus einem Songmics Regal bauen. Gute Idee...oder bessere Vorschläge?
Welche Verpaarung wäre denn am Idealisten? Ich habe gelesen 2 Weibchen und 1 Kastrat oder Bock (wenn man junge möchte)wären am natürlichsten...im Fressnapf wurde mir gesagt das wäre nicht zwingend notwendig...wenn dann reine Weibchen oder reine Böckchen Gruppe.
Ich hoffe ich bekomme hier viele Ideen und Tipps wie wir alles am besten für die neuen Familienmitglieder vorbereiten und einrichten können!
Liebe Grüße



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Murx Pickwick
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Re: Perfektes Heim für Meeris!

Beitrag von Murx Pickwick » Mo 7. Sep 2020, 12:44

Prinzipiell sind zwar reine Bockgruppen möglich, allerdings brauchen die Böcke dann deutlich mehr Platz wie die Damen, wenn sie sich nicht permanent streiten sollen. Unter 6m² für drei Böcke ist die Wahrscheinlichkeit, daß die Böcke sich irgendwann so zerstreiten, daß sie getrennt werden müssen, extrem hoch.
Der Vorteil einer reinen Bockgruppe ist allerdings, daß man ihnen die Kastration ersparen kann - auf der anderen Seite sterben Meerschweinchen irgendwann und so eine Meerschweinchengruppe stirbt selten an einem Tag - für einen übriggebliebenen, alten Bock einen passenden Partner zu finden (Weib geht ja dann nicht, würde Junge geben) ist oft schwierig. Einen alten Bock noch kastrieren zu lassen, um ihm wenigstens noch ein altes Mädel beizustellen, ist oft ein höheres Risiko für den Bock, wie ihn schon als jungen Bock kastrieren zu lassen.

Es gibt noch ein Problem mit reinen Bockgruppen - nicht jeder Meerschweinchenbock ist dazu geeignet. Die Kerle müssen gut sozialisiert sein, damit sie sich vertragen.
Man kann hier in den Meerschweinchen-Notstellen nach gut eingespielten Bockgruppen suchen, in Tierheimen nach bockgruppenerfahrenen Böcken fragen oder aber man geht zum Züchter (leider gibt es unter den Züchtern sehr viele schwarze Schafe, man muß sich also den Züchter und seine Zuchttiere sehr genau anschauen, in aller Regel wird man in Meerschweinchen-Notstellen und Tierheimen besser beraten. Wenn du jedoch einen sehr guten, seriösen Züchter an der Hand hast, ist das eventuell die bessere Wahl, denn ein guter Züchter achtet auf die Gesundheit seiner Tiere. Die Meerschweinchen in Notstellen und Tierschutzheimen haben oft schon viel Böses erlebt und haben daher oft ne angeschlagene Gesundheit).
Die schlechteste Möglichkeit sind Zoofachgeschäfte, Baumärkte etc ... diese beziehen ihre Meerschweinchen von Betrieben, welche die Meerschweinchen in großen Mengen produzieren und in aller Regel weder auf die Gesundheit, noch auf eine gute Sozialisation achten. Teilweise werden die Meerschweinchen auch von Kunden besorgt, bei denen Zufallswürfe entstehen - ohne daß züchterisches Wissen vorhanden ist. Auch hier ist weder zu erwarten, daß die Meerschweinchen gut sozialisiert sind, noch daß sie gesund sind.
Eine zu frühe Abgabe bewirkt zudem, daß die Meerschweinchenjungen ohne einen (gleichgeschlechtlichen) Elternteil aufwachsen, sich also gegenseitig erziehen müssen - und das geht genauso schief, als wenn bei uns Menschen Kinder sich gegenseitig erziehen müssen. Meerschweinchen brauchen Lehrer, die ihnen Sozialverhalten beibringen - genau wie wir Menschen ja auch Eltern und Lehrer brauchen, um zu lernen, wie man sich in unserer Gesellschaft zu benehmen hat.

Weibchengruppen sind da einfacher, wobei eine Vierer-Weibergruppe oft (aber keineswegs immer!) harmonischer ist, wie eine Dreiergruppe. Die im Durchschnitt einfachste Gruppe ist also ein Kastrat und zwei Weiber. Die funktioniert fast immer, auch bei zuwenig Platz.

Womit wir bei einem sehr unangenehmen Thema angekommen sind ... eigentlich sind Hausmeerschweinchen daran angepaßt, 20 - 50 m² Platz zu haben, egal wie groß die Gruppe ist (also auch zwei Meerschweinchen bräuchten eigentlich diesen Platz). Das ist jedoch von den wenigsten Meerschweinchenhaltern überhaupt schaffbar. Viele Meerschweinchenhalter haben deshalb einen Bereich, in welchem sich die Meerschweinchen immer aufhalten können (der teilweise nur wenige Quadratmeter groß ist, beispielsweise nen umgebauten Songmics) und einen Dauerauslauf, der jederzeit geschlossen und für den menschlichen Bedarf schnell umgebaut werden kann (weil beispielsweise Gäste da sind). Das klappt recht gut.
Die Mindestmaße dagegen, die überall angegeben sind, sind rein willkürlich festgelegt und streng genommen nicht artgerecht.
Wie auch immer deine Lösung aussieht, das Meerschweinchengehege sollte so groß, wie irgendmöglich geplant werden und - wenn es machbar ist - ein Dauerauslauf eingerichtet werden, wo die Schweinchen sich zusätzlich aufhalten können und sich ordentlich austoben können, wenn sie das wollen. Vor allem für junge Meerschweinchen wäre das sehr wichtig, damit sie nicht träge werden. Träge Meerschweinchen neigen zu Verdauungsproblemen.

Man kann allerdings auch sehr viel über die Struktur und die Fütterung der Meerschweinchen ausgleichen, was an Platz fehlt - zum Glück!
So regen Haufen aus frisch geschnittenen Ästen und Zweigen an, auf Entdeckungstour zu gehen, hochgehängtes Frischfutter regt zu zusätzlicher Bewegung an, Häuschen mit Rampen wecken Abenteuerlust. Dennoch sollte eine Rennstrecke über zwei bis drei Meter Länge erhalten bleiben, es sollte also nicht der gesamte verfügbare Platz vollgeräumt werden.
Unsortierte Wiese regt über das gelernte und angeborene Selektionsverhalten die Intelligenz der Meerschweinchen an und stellt eine Reihe von Kräutern bereit, welche die Meerschweinchen brauchen, trotz weniger Bewegung ihren Verdauungstrakt gesund zu erhalten.
Bei der Futterdarreichung kann und sollte man also kreativ werden, zumal das fast immer eher umsetzbar ist, wie nen Zimmer mit 20m² und mehr bereitzustellen.

Verschiedene Etagen haben sich dagegen für Meerschweinchen eher weniger bewährt, es gibt einige Meerschweinchengruppen, die gelernt haben, flach angelegte Rampen zu benutzen und damit auch höhergelegene Etagen zu nutzen - aber es gibt auch sehr viele Meerschweinchengruppen, welche die höhergelegenen Etagen regelrecht meiden und nie lernen, Rampen zu nutzen. Es sind halt echte Bodentiere.

Was du bei der Planung vielleicht auch noch berücksichtigen solltest, ist der Zugang zu ungefiltertem Sonnenlicht. Dieses wird gebraucht, um Vitamin D herzustellen, ist also wichtig. Wenn du es einrichten kannst, ein Fenster so zu sichern, daß es über Tag geöffnet werden kann und die Sonne ungehindert auf einen Teil des Geheges scheinen kann, ist das für das Wohlbefinden der Meerschweinchen sehr förderlich. Daß natürlich auch ein schattiger Platz jederzeit erreichbar sein muß, sollte dabei selbstverständlich sein, genauso, wie es selbstverständlich sein sollte, daß sichergestellt sein muß, daß kein Meerschweinchen durchs Fenster klettern oder gar aus dem Fenster fallen kann.



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Re: Perfektes Heim für Meeris!

Beitrag von Dajanira » Mo 14. Sep 2020, 13:07

Murx hat alles perfekt zusammengefasst :)

Meine Erfahrung zum Thema Bockgruppen:
Sehr schwierig. Gerade wenn man mit der Meerschweinchenhaltung erst beginnt, rate ich davon ab. Selbst wenn die Gruppe gut eingespielt ist, kann es umschlagen, z. B. wenn das ranghöchste Tier schwach oder krank wird oder junge Tiere in die 'Pubertät' kommen.

Baumärkte und Tiergeschäfte sind ein großes Problem. Neben dem Bezug der Tiere aus Massenzucht, ist die Beratung nun mal auf den Verkauf ausgerichtet. Vielleicht hast du - abgesehen vom Tierheim - eine Meerschweinchen-Notstation in deiner Nähe?


Schläft ein Lied in allen Dingen,
Die da träumen fort und fort,
Und die Welt hebt an zu singen,
Triffst du nur das Zauberwort.



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