Kurs Bodenarbeit

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Kurs Bodenarbeit

Beitrag von darie » Do 13. Jun 2019, 08:33

Ich hatte am letzten WE einen Kursus gebucht, Bodenarbeit intensiv, bei einem bekannten „Pferdeflüsterer“ hier oben im Norden, waren Samstag und Sonntag je 2x 2 Std und ich bin voller Vorfreude und Gespanntsein hingefahren, hatte ich doch vorher immer nur Lobenswertes und Positives gelesen.

Ja…..und dann entpuppte sich das Schlagwort „Pferde, wie von Zauberhand bewegt“ als , krass ausgedrückt, HokusPokus :schlecht:

Ich bin, um das vorweg zu nehmen, Sonntag auch nicht mehr hin, habe mich „krank gemeldet“ damit nicht auf mich gewartet wird.
Die Pferde dort werden von Gästen nur zu zweit geholt, einer halftert auf, der andere schirmt den ersten mit einer langen Gerte ab.
Was dann dieses Pferd am Samstag für Leckerchen bekommen hat um aufmerksam zu bleiben, das bekommt meiner nicht mal in 1 Monat….. :arg:

Es wurde dem Pferd eine große Handvoll Kekse vor die Nase geworfen, eine Teilnehmerin sollte dann sich seitlich dem Pferd nähern und den Kopf mit ihren Beinen wegdrücken, die Stute wurde daraufhin richtig ungehalten, stieg leicht und galoppierte weg, ganz knapp an der Frau vorbei, das war mehr als grenzwertig :shock:
Den Sinn dieser Übung habe ich bis heute nicht verstanden :hm:

Nachmittags zeigte uns der Kursleiter, dass er diese Stute durch einen lang anhaltenden Zischlaut zum Rückwärtsgehen bringen kann (reagierte sie nicht sofort, wurde sie mit Keksen beworfen, dass sie sich erschrocken hat)
Und er betonte, dass er die Stute NICHT berührt….joah, so mach ich auch Freiarbeit, ohne Berühren.

Eine andere Teilnehmerin bat um Hilfe, weil sie ihr Pferd nicht von der Koppel bekommt, es bleibt dann einfach stehen – da meinte er, sie soll dem Pferd zeigen, dass es bei ihr besser aufgehoben ist, als bei der Herde, aber das Wie oder einen Weg dahin, wusste er auch nicht (ich hätte ihr vielleicht mal empfohlen, mir vor Ort einen Trainer zu holen) :roll:

Naja, so gings in einer Tour, das einzige, was ich für mich mitnehmen konnte, ist die Tatsache, dass ich vieles richtig mache mit Avicci und mir das Geld für solche Sachen künftig sparen kann (was ja auch ne Menge wert ist) :D



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Re: Kurs Bodenarbeit

Beitrag von Traber » Do 13. Jun 2019, 09:01

das ist ja unglaublich, wo es doch nun heutzutageso viele echt gute Trainer gibt, und man weiß wie man positiv bestärkt, da gibt es ernsthaft jemand der SO unrofessionell arbeitet und da auch noch Zulauf hat? Das müsse sich doch eigentlich schnell rumsprechen, dass das Käse ist...?

sehr schade für dich :/



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Re: Kurs Bodenarbeit

Beitrag von darie » Do 13. Jun 2019, 09:26

Ja, da hast Du völlig Recht....

Er sagte ja, sie arbeiten nicht mit positiver Verstärkung und auch nicht mit Druck , er nennt es freundliche Beharrlichkeit :autsch:

Am Nachmittag wieder das Szenario, dem Pferd Kekse vor die Füße geworfen und nun sollten 2 Teilnehmer eine Hindernisstange nehmen, und mit dieser dann das Pferd wegschieben, solange bis es von den Keksen wegging, weil es keine andere Möglichkeit hatte.....und das ist kein Druck ????

Anderes Beispiel: Wieder 2 Teilnehmer befestigten links und rechts am Halfter je einen Strick, die sollten immer auf Spannung bleiben und nun gings rückwärts ziehend und gleichzeitig mit diesem Zischlaut, das dann ca 20 mal und dann sagte Der "Trainer" sie sollten jetzt nur zischen ohne rückwärts zu gehen und klar ging das Pferd dann auch, weil es den Zischlaut mit dem Rückwärts gezogen werden verbunden hat, die sind ja nicht blöd die Pferde :roll:

Ich stand dem Ganzen natürlich eher kritisch gegenüber, weil ich im Gegensatz zu den anderen Teilnehmern inzwischen einiges an Erfahrung in BA und auch Freiarbeit habe.....für die Damen dort war das, was er von sich gab, das Evangelium :hm:

Also, wenn ich mal wieder Input brauche, hole ich mir einen Trainer, mit dem ich dann direkt mit meinem Pferd zusammen arbeite :)

Ich glaube fast, es traut sich dort niemand, ihn zu kritisieren......alle finden ihn toll und da schwimmt man gerne mal mit dem Strom :hm:



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Re: Kurs Bodenarbeit

Beitrag von Traber » Do 13. Jun 2019, 09:41

oh Himmel, das hört sich echt gruselig an.

schlimm dass das keiner merkt.

Ziel ist es IMMER, ein motiviertes Pferd zu haben bzw. dadurch zu bekommen.
Dann wollen sie von allein mehr und probieren auch Dinge aus. Deshalb macht man Pausen, damit sie darüber nachdenken können und das Gelernte verarbeiten.
Eigentlich macht man grad bei so Tages- oder Wochenendkursen schnell Riesenfortschritte.

Die Beispiele die du hier anbringst finde ich wirklich schlimm, das Pferd lernt nix, höchstens dass es keinen Spaß macht mit dem Menschen zu arbeiten. Wo ist das Erfolgserlebnis wenn das Pferd einfach "aushalten" oder nur weichen soll? Damit macht man es stumpf, das ist exakt das Gegenteil von dem was wir wollen...



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Re: Kurs Bodenarbeit

Beitrag von darie » Do 13. Jun 2019, 09:51

Das versteh ich halt auch nicht, warum das so angenommen wird, ohne das Tun zu hinterfragen / kritisieren :hm:

Einmal sagte eine Teilnehmerin "Oh, das kann mein Pferd auch" da kam als Antwort zurück "Dann komm mit Deinem Pferd mal her, ich schau mir das an und dann reden wir darüber, ob es das wirklich kann"

Und das in einem Tonfall.....unfassbar :autsch:

Naja, war ne Erfahrung, ich weiß jetzt, dass ich DAS nicht brauche :nö:



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Re: Kurs Bodenarbeit

Beitrag von Murx Pickwick » Do 13. Jun 2019, 11:08

Ich nehme an, der Kurs ist bezahlt, das Geld bekommste nie wieder?
Ich hoffe nur, der Kurs war nicht allzu teuer ... ist echt ärgerlich, wenn man in sowas Zeit und Geld investiert.

Wenn ich dort in dem Kurs gewesen wäre, und mir hätte eine Zweitperson mit der Gerte vorm Gesicht beim Aufhalftern rumgefuchtelt, um den Gaul von mir abzuhalten, wär ich schon ausgerastet - ich halfter jedes Pferd alleine auf, soweit ich an den Gaul rankomme!
Dauert halt nur bei einigen Pferden etwas länger, wenn sie nicht sonderlich motiviert sind ...

Mit dem Berührungslos hätte ich sogar ein recht böses Argument auf der Zunge ... man kann berührungslos verletzen und töten. Die effektivste Art und Weise, berührungslos zu töten, wäre eine Schußwaffe - die gibt dem Wurfgeschoß noch mal ordentlich Schmackes auf den Weg.
Mit der Hand und mit eßbaren Wurfgeschossen ist das Töten freilich etwas schwieriger ... aber auch möglich mit der richtigen Technik.

Äh ... was genau sollte in dem Kurs vermittelt werden?



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Re: Kurs Bodenarbeit

Beitrag von darie » Do 13. Jun 2019, 11:23

Kurz und kanpp formuliert: Es sollte gelehrt werden, wie man ein Pferd neugierig auf einen macht, dass es einem gerne folgt und für andere Einflüsse (Futter, Kumpels) kein Interesse mehr hat :hm:

Ich dachte ja auch, man bekommt zumindest pro 2-er Team ein Pferd, mit dem man dann was machen kann, was ich halt später zuhause mit meinem umsetzen kann, aber der Kurs lief dann halt ganz anders ab.

Es begann ja damit, dass wir 30 min diskutiert haben, wie man ein Pferd holt....ich wurde auch gefragt, und meinte halt nur, ich pfeife, wenn er das hört, wiehert er und kommt zu mir, Halfter auf und am lockeren Strick gehen wir los....oder bis zum Ausgang ohne Strick und hier würde ich auch zu der Stute gehen, wie selbstverständlich, sie aufhalftern und mitnehmen :crazy:

Falsche Antwort...... :lol:

Erstmal mit der langen Gerte, wo am Ende ein Schaumstoffröllchen draufgepinnt war, versuchen zu berühren um zu sehen, was sie zulässt und was nicht und sich dann allmählich dem Halftern zuwenden .



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Re: Kurs Bodenarbeit

Beitrag von Murx Pickwick » Do 13. Jun 2019, 12:03

Bei mir geht gerade Kopfkino ...

Erstes Zusammentreffen mit Paddy - mit langer Gerte:
Ich zeige also die Gerte - und seh eine immer kleiner werdende Staubwolke und nachdem sich der Staub gelegt hat, einen gerissenen Weidezaun statt Pferd ... hmm, ich weiß nicht, ich glaub, so zielführend wäre das nicht gewesen ...
*kopfgegendiewandhau*

Die Erfahrungen mit Pottoks im Baskenland waren irgendwie sehr ähnlich ... kam der Mensch mit ner Gerte auf die Weide, waren die Pferdchen von der Weide verschwunden. *achselzuck*

Da erscheint mir einfach hingehen, Pferde über fliegenbesetzte Pferdeäppel treiben, abwarten, bis sie Kontakt aufnehmen (und sich die Zeit mit Pferdephotografie vertreiben), Fliegen eliminieren, Aufhaltern und am Führstrick von der Weide holen deutlich erfolgversprechender ... was jetzt bei einem Pferd, was dem Menschen vertraut, durchaus auf deine Strategie reduziert werden kann. Spart Zeit ... und kostet weniger Weidezäune bei Pferden, welche Gerten als Schlaginstrumente kennengelernt haben.



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