Ich habe mich Gott sei Dank noch nicht oft mit der Möglichkeit der
Euthanasie auseinandersetzen müssen. In der Regel kam der Tod unserer bzw meiner Tiere immer recht plötzlich. Es ist grausam wenn ein gesundes Tier vom einen auf den anderen Moment einfach tot ist, ohne dass man sich irgendwie darauf vorbereiten konnte.
... aber ganz ehrlich, wie kann man sich denn auf den Tod vorbereiten?
Meine letzten beiden Tiere sind anders von mir gegangen. Sowohl bei Wasco, als auch bei Rumo zeichnete sich lange vor deren Tod ab, dass es bald soweit sein würde. Und beide Fälle haben mich irgendwie intensiver belastet als der Tod aller meiner anderen Tiere. Es ist schwer zu beschreiben.
Im Widerspruch zu dem, was ich gerade geschrieben habe, war der schlimmste Tod der meines letzten Hundes: 6 Jahre, pupsgesund, innerhalb von 5 Minuten ohne Vorwarnung verstorben... das war und ist für mich sehr schwer zu realisieren gewesen, und auch wenn ich mir meistens bewusst bin, dass es eigentlich ein "schöner" Tod war, so es denn sowas gibt, ab und an, wenn ich wie jetzt drüber nachdenke, fühlt es sich noch genauso schlimm an wie zu dem Zeitpunkt, als ich erfuhr was geschehen war. Das ist nicht schön, aber so ist nunmal der Lauf der Dinge.
ABER: Belastet hat mich der Tod von Wasco und insbesondere Rumo wesentlich mehr... und zwar noch bevor sie eigentlich gestorben waren. Interessanterweise war, als es dann soweit war, das Schlimmste tatsächlich schon vorbei. Die Wochen und Monate, die zwischen den ersten Befürchtungen und dem vermeindlich baldigen Tod sind unerträglich. Kaum etwas ist so schlimm wie das Kopfkino, die Szenarien die man sich ausmalt.
Wasco war eine zahme Rennmaus. Er war einfach nur alt und das sah man ihm auch an (
http://foto.arcor-online.net/palb/alben ... 663437.jpg). Er schlief sehr viel, wurde immer dünner und sah schon recht gebrechlich aus.. aber insgesamt wirkte er trotzdem lebensfroh. Er fraß, drehte auch noch die ein oder andere gemächliche Runde in seinem Laufrad, richtete sich seinen Schlafplatz her und wirkte nicht, als hätte er schmerzen. Ich habe mich dann sogar entschlossen, ihn mit 4,5 Jahren nach dem Tod seines Bruders nochmal zu vergesellschaften. Er blühte nochmal richtig auf, ließ sich vom Gewusel seiner neuen Mitbewohner nochmal ein wenig aus der Reserve locken und nahm sogar nochmal ein wenig zu. Ich habe immer gehofft, er würde irgendwann aus einem seiner langen Schläfe einfach nicht mehr aufwachen. Ich hatte immer Angst, irgendwann ins Becken zu schauen und zu sehen, dass sich sein Zustand rapide verändert hätte.. Mit 5 Jahren entzündete sich dann seine Bauchdrüse. Er schien sich dadurch nicht wirklich beeindrucken zu lassen, verhielt sich wie sonst auch. Meine TÄ sah auch keinen Grund, eine Behandlung nicht wenigstens zu probieren, der er sich nach wie vor aufmerksam und neugierig verhielt. Nach ein paar Tagen, als sich nichts wesentlich verbesserte, entschlossen wir uns aber, ihn einzuschläfern.
Im Rückblick bin ich der Meinung, hier alles richtig gemacht zu haben. Normale Altersgebrechen allein sehe ich nicht als Grund zum Einschreiten, solange das Tier in der Lage ist, sein normales Verhalten auszuleben (die wichtigen Apsekte des Sozialverhaltens, Grundbedürfnisse decken..).
Die Geschichte mit Rumo ist ja nun erst einige Wochen vorbei. Durch seinen Tumor neben dem Herzen war zu befürchten, dass er irgendwann mal recht plötzlich abbauen würde. Ich hatte große Angst, den idealen Zeitpunkt zu verpassen. Ich hatte Angst, er würde abbauen, und ich würde noch zu viel zeit brauchen, bis ich ihn erlösen lassen könnte. Der Tumor hatte in seinem Leben keine Auswirkungen, außer dass er deutliche Flankenatmung zeigte. Sonst war er absolut der alte. Unter diesen Umständen kam für mich eine vorbeugende Einschläferung nicht in Frage.
Letztlich ging es dann tatsächlich sehr schnell. Er wurde plötzlich apatisch, atmete schwer. Ich konnte ihn gerade noch in die Transportbox setzen und ein paar Meter loslaufen. Das war ein schlimmer Moment, die Vorstellung sauste durch meinen Kopf, wie ich beim TA stehen würde und der letzten Spritze zustimmte. Mir krampfte sich dabei alles zusammen.
Dann merkte ich, dass wir es nicht schaffen wurden. Ich hab mich mit Rumo hingesetzt, die TB aufgemacht, ihn gestreichelt und ihm zugeredet und wurde plötzlich ganz ruhig.. dann ging er. Diese Ruhe ist bis heute geblieben, die Trauerarbeit habe ich durchgemacht, noch bevor Rumo gestorben ist. Im Nachhinein weiß ich, dass das Belastenste nicht der Tod an sich, sondern die Vorstellung davon war, die Vorstellung, die Entscheidung fällen zu müssen.
Meine Reaktion beim Lesen dieses Threads bestätigt das auch. Den schlimmsten Kloß hatte ich bei Emmys Geschichte. Es ist eine fürchterliche Vorstellung ein Tier gehen zu lassen, wenn es gerade den Anschein macht, dass ihm gar nichts fehlt.. selbst wenn man weiß, dass es vor eine halben Stunde noch anders war, und in eine Stunde wieder anders sein könnte.
Vor Rumos Befund hätte ich sicherlich noch anders geantwortet, diese Möglichkeit, die in der Veterinärmedizin ausgeschöpft werden kann als Segen gesehen. Jetzt sieht es für mich so aus, dass die Euthanasie für das Tier mit Sicherheit ein Segen sein kann, dem ich ihm nach bestem Wissen und Gewissen gewähren würde. Für mich als Halter ist es definitiv ein Fluch, abgesehen von akuten Fällen. Denn die Möglichkeit, unnötiges Leid zu beenden macht es auch notwendig, echtes Leid erkennen zu können.. aber keiner steckt drin.
In sofern ist es schon nicht falsch, was Eichhorn schreibt. Das Tier geht ja nicht bewusst in den Spritzentod. Theoretisch könnte man sich auf die sichere Seite stellen, wenn man unverzüglich handelt und die Spritze setzen lässt, sobald die offensichtliche Chance besteht, dass das Tier demnächst leiden könnte. Aber so argumentiert macht man die Rechnung ohne den Halter. Bei Rumo zum Beispiel war überhaupt nicht klar, wie lange er noch leben würde. Der Arzt schätzte 6-8 Wochen nach Befund. Das war am ersten Juni. Er hat dann letztlich noch fst ein halbes Jahr ohne irgendwelche Einschränkungen gelebt und nicht unverhältnismäßig beim Sterben gelitten. Im Nachhinein bin ich auch hier der Meinung, dass es so, wie es gelaufen ist richtig war und ich bin froh, dass sowohl Rumo als auch Joker (sein Partner) die WG noch so lange genießen durften. Ich würde es mit dem Wissen, was ich jetzt habe nicht anders machen.
Also Eichhorn, ganz nüchtern betrachtet hast du recht, aber ich als Halter bin in dieser Beziehung nicht ganz nüchtern. Zudem frage ich mich, ab wann es dann gerechtfertigt ist, die Spritze zu setzen. Klar, ein Tumor ist an sich erstmal was recht eindeutiges. Aber viele andere Diagnosen sind offen, es bestehen mehr oder weniger große Chancen, dass es doch noch gut ausgeht. Wann soll man die fahren lassen?
Lapin: Ich wünsche dir viel Kraft. Ich denke, solange er aktiv am Sozialleben teilnehmen will und kann und selbstständig in der Lage ist sich zu versorgen, würde ich ihn persönlich mal machen lassen.
Ich drück die Daumen, dass sein Tod für dich letztlich ganz ohne Zweifel und am besten aus eigenen Antrieb vonstatten geht. So grausam es klingen mag, ich habe meinen Rumo sehr geliebt, aber für mich war wie gesagt tatsächlich damit dann das Schlimmste vorbei, was ihn angeht.