Nur, weil Waldmäuse
Waldmäuse heißen, heißt das noch lange nicht, daß sie nur im Wald vorkommen ... im Gegenteil. Was sie brauchen, ist gut strukturiertes Gelände mit Büschen, Bäumen und Erde, die leicht zu graben ist - sie sind einfach nicht so die guten Gräber, welche ihre Gänge auch in schweren oder verdichteten Boden bauen könnten, wie die Feldmäuse.
Gärten bieten ihnen meist ein gutes Biotop, zumindest, wenn sie nicht zu aufgeräumt sind: viele Büsche, weicher, aufgelockerter, mit Humus versetzter Boden, viele unterschiedliche Pflanzen aus aller Herren Länder, durch Komposthaufen viele Krabbelviecher,
Sämereien, Nüsse, Obst - was will Maus mehr ...
Dementsprechend sind die Wohnhöhlen der Waldmäuse meist in den Komposthaufen zu finden - da ists schön locker, schön warm und Futter gibts reichlich, da braucht Maus nicht weit zu laufen.
Das Einzige echte Problem der Waldmaus in den Gärten ist einzig die viel größere Gelbhalsmaus ... beide Arten sind nicht nur nah miteinander verwandt, sondern haben auch einen ähnlichen Anspruch an das Biotop, was sie besiedeln, sie sind also unmittelbare Konkurrenten zueinander - nur ist die Gelbhalsmaus aufgrund ihrer Größe und ihres leicht aggressiveren Wesens der Waldmaus überlegen und verdrängt sie oft genug in den Gärten, zumal sie einfach die Bauten der Waldmaus übernimmt - die Waldmaus kann sich dann woanders ne Bleibe graben. Gelbhalsmäuse sind halt noch schlechtere Gräber wie die Waldmäuse und übernehmen fast nur geeignete Wohnungen anderer Tiere, wie Mausebauten, Maulwurfsgänge oder Nistkästen. Sie siedeln allerdings auch in Astlöchern, verlassenen Eichhörnchenkobeln, ehemaligen Spechthöhlen usw usf, alles was ihnen geeignet erscheint, wird auch bewohnt. Schlechte Karten für die kleinere und schwächere Waldmaus, die ja ihrerseits nen Mausebau braucht ...
Normalerweise kommen Waldmäuse nur deshalb hauptsächlich in Wäldern vor, weil sie auf den gut gelockerten Feldern zuwenig Deckung haben und dort, wo keine Felder sind, der Boden meist zu verdichtet ist, so daß sie da nicht graben können. Waldboden ist immer schön locker und leicht zu begraben und Deckung haben sie da auch gratis. Auf Wiesen stören die Wurzeln der Wiesenpflanzen, welche eine für Waldmäuse undurchdringbare Barriere darstellen, Wege und ähnliches verbietet sich eh von allein, die sind noch verdichteter, wie Wiesenboden.
Allerdings kommen Waldmäuse zunehmend durch unsere Nadelbaummonokulturen immer mehr in Bedrängnis.
Noch sind ihre Bestände stabil, jedoch kommen deutlich weniger Waldmäuse in reinen Fichten- und anderen Nadelholzmonokulturen vor, wie in abwechslungsreichen naturbelassenen Wäldern. Gärten bieten ihnen da ein prima Ausweichgelände, was sie gerne nutzen. Solange es also unterschiedlich genutzte Gärten, möglichst noch Gärten mit Wildwuchs gibt, wird der Waldmausbestand sich halten können - sind Waldmäuse nur noch auf Monokulturwälder angewiesen, wird der Bestand schleichend zusammenbrechen und es wird erst auffallen, wenn es kaum mehr Waldmäuse gibt - so wie es momentan mit unseren Haussperlingen passiert.
Ebenso betroffen ist die Gelbhalsmaus und viele andere Mausearten - noch sind sie alle sehr häufig, weil sie wirklich jedes bischen Gelände, was auch nur halbwegs geeignet erscheint, besiedeln - wenn jedoch die Tendenz von Wald-, Feld- und Wiesenmonokulturen immer großräumiger zunimmt und die Gärten mehr und mehr weichen müssen, werden es die meisten Mausearten schwer haben - man wird kaum merken, wie sie immer weniger werden, bis es zu spät ist und die ersten Mausearten endgültig verschwinden ...