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BeitragVerfasst: Do 7. Okt 2010, 14:39 
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Supermoderator
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Vielleicht kennt Ihr auch ein paar Sprichworte und deren Bedeutung?

"Vor die Hunde gehen." Wenn jemand "vor die Hunde geht".

Der Spruch stammt noch aus den aktiven Jagdzeiten. Damals waren bei einer Jagd mind. eine Meute Jagdhunde deren ständige Begleiter.
Diese Jagdhunde waren dazu da, um Wildtiere aufzuspüren, und diese zu stellen. So eine Verfolgung konnte schon unter anderem recht lange dauern, besonders, wenn das Wildtier noch unverletzt und kräftig war.
Wurde aber ein schwächeres Tier verfolgt, so ging dieses Tier sprichwörtlich "vor die Hunde", denn es konnte nicht schnell genug fliehen, wurde von den Hunden schnell eingeholt und gestellt.

:lieb:


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BeitragVerfasst: Do 7. Okt 2010, 15:11 
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Planetarier
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Schwein gehabt:
Schweine waren eine sehr wertvolle Kapitalanlage, selbst wer in armen Gegenden sich nur ein Ferkel kaufen konnte, war richtig gut dran, denn selbst wenn er das Ferkel nicht optimal aufziehen konnte, brachte der Speck Geld fürs nächste Ferkel und das Fleisch gab Wurst und Schinken. Das Knochenmehl wiederum konnte eingetauscht werden gegen Dinge, die man halt zum Leben brauchte ... und das Ganze nur dafür, daß das Schwein nur die Abfälle bekam bzw es in den Gemeindewäldern sein Futter suchen mußte ... wer sich ein Ferkel leisten konnte, hat echt Schwein gehabt, nachdem es geschlachtet wurde! Lebensglück pur halt ... Fleisch war in der Armenbevölkerung nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit und genügend Essen erst recht nicht ...
Und auch heute hat man Schwein gehabt, wenn man Glück hat ... auch ohne ein Schwein zum Schlachten zu haben ...

Zur Sau machen war ehemals eine recht wirksame Strafe dafür, daß sich Jemand zuviel des Guten rausgenommen hatte und sich unter aller Sau benommen hatte ... man setzte demjenigen einfach ne Schweinemaske auf und jagte ihn durch die Stadt - klaro, daß nun jeder mit Spott und Taten der Meinung Ausdruck geben durfte, also so ganz so lustig dürfte es für den Delinquienten nicht zugegangen sein.
Heute kommt man ohne diese Saumaske aus, eine strenge Moralpredigt reicht, um jemanden zur Sau zu machen ...

Womit wir schon beim nächsten Sprichwort angekommen wären: Sich unter aller Sau benehmen ...
Eigentlich ganz einfach, denn was ist unter aller Sau, spätestens wenn die Sauen sich suhlen?
Richtig! Dreck!
Wer sich also mit dreckiger Ausdrucksweise und wie der letzte Abschaum benahm, benahm sich unter aller Sau ... und tut es heute noch ...

Das sieht ja aus, wie im Schweinestall ... ähnlich wie unter aller Sau eine Anspielung auf die Unterbringung von Schweinen. Schweine wurden zunehmend im 18. und 19. Jhr in Räumen gehalten, die Einstreu wurde nicht gerade regelmäßig gewechselt, denn Einstreu war teuer, der Mist nur dann entsorgt, wenn die Landwirte ihn zur Düngung abholten ... muß schon ziemlich übel ausgesehen haben, zumal dann auch noch Küchenreste bei den Schweinen entsorgt wurden.
Klar, wenn etwas wie im Schweinestall aussieht, daß es dann keine Ähnlichkeit mehr mit einer sauberen, aufgeräumten Lokalität hat, sondern eher einem stinkenden Chaos gleicht ...

Sich benehmen wie die Sau oder sich benehmen wie ein Schwein wiederum ist eine Anspielung auf die schweinische Eigenart, sich bei warmen Wetter und vor Schutz vor beißenden und stechenden Insekten im Dreck zu suhlen ... das entsprach nicht unbedingt den Vorstellungen eines moralischen Lebens, kurzum, wer sich wie Sau benimmt, benimmt sich moralisch und anstandsmäßig voll daneben ...
(Dreck war dabei ein Symbol der Unmoral)

Du Ferkel:
Auch hier spielt die Eigenschaft der Schweine, sich gern in der Matschepampe aufzuhalten, eine Rolle, wer sich wie ein Ferkel benimmt, sieht genauso schmutzig aus, wie die Ferkel, die in der Suhle und im Schlamm spielen ... beispielsweise Kinder, die im Regen spielen und schmutzverkrustet, aber glücklich, nach Hause kommen sind kleine Ferkel.
Auch hier wieder gab es irgendwann die Übertragung auf die abstrakte Moral, wer mit dreckigen Witzen und dreckigen Aussprüchen um sich wirft, ist ebenfalls ein Ferkel, auch wenn er sich nicht körperlich schmutzig macht ...


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BeitragVerfasst: Do 7. Okt 2010, 19:17 
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Planetarier
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Murx Pickwick hat geschrieben:
Schwein gehabt:
...



Huhu...dazu kenne ich eine etwas andere Geschichte, auch wenn die grundsätzliche Erklärung, das Schweine halt eine lukrative Sache waren, die gleiche ist.
Aber in dem Erklärungsansatz, den ich gehört habe, ging es ganz kongret um bestimmte Wettbewerbe im Mittelalter.
Und zwar hat da der Verlierer ein Schwein bekommen, mit dem er dann den Rest des Tages/Festes herumlaufen musste.. und war damit ganz offensichtlich als Verlierer gebrandmarkt und gab sich der Lächerlichkeit Preis. Aber da ein Schwein natürlich wie von dir erwähnt eine ganz praktische Sache war, hat der Verlierer dieses wohl oder übel in Kauf genommen und hat wenigstens noch "Schwein gehabt"

...naja, für viele Sprichworte gibts ja verschiedene Ansätze..

"Jemandem ein Kuckucksei legen" = jemandem etwas unterschieben ... Natürlich auf das Verhalten des Kuckucks bezogen, seine EIer in fremde Nester zu legen

Viele sonstige Sprichwörter um den Kuckuck (Hols der Kuckuck, weiß der Kuckuck, scher dich zum Kuckuck...usw (je öfter man das Wort übrigens schreibt, desto seltsame sieht es aus ;) )) beziehen sich auf einen alten Aberglauben, der in dem Kuckuck eine Teufelsgestalt sah. Grund dafür wird wohl ebenfalls die tatsache gewesen sein, dass er seine Eier in fremde Nester legt und sich überhaupt nicht um seinen Nachwuchs kümmert, dafür aber anderen Vogeleltern ihre liebe Not haben die kleinen anständig zu füttern, wärend die eigenen Jungen getötet wurden...sehr teuflisch.


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