Ein Krampf ist eine unkontrollierte Muskelzusammenziehung. Sobald der Muskel von selbst erschlafft, bekommt er sofort wieder das Signal, sich zusammenzuziehen. Sehr eindrucksvoll kannst du solche Krämpfe an Epileptikern bei ihren Anfällen studieren. Während eines epileptischen Anfalls sind die Betroffenen nicht mehr in der Lage, ihre Gliedmaßen zu kontrollieren, da die Muskeln sich zusammenziehen, verhärten und nur noch kurzzeitig sich entspannen können, so daß ein typisches Muskelzittern entsteht.
Die
Peristaltik im Darm wird durch Darmmuskeln verursacht - und diese können sich genauso verkrampfen, wie die Muskeln beim Epileptiker. Der Darm ist dadurch nicht mehr funktionstüchtig, denn die
Peristaltik ist nix weiter, wie das kontrollierte, rhytmische Zusammenziehen und wieder Erschlaffen der Darmmuskulatur, so daß so eine Art Wellenbewegung entsteht, der durch den gesamten Darm fortläuft und den Nahrungsbrei weitertransportiert.
Das Gegenteil zu Darmkrämpfen wäre die Erschlaffung des Darmes, die Muskeln ziehen sich gar nicht mehr zusammen, weder kontrolliert, noch unkontrolliert. Auch hier wieder fehlen dann diese über die Darmwand laufenden Wellen, welche den Nahrungsbrei vorwärtsschieben. Auch hier ist der Darm funktionsuntüchtig.
Blähungen sind nix weiter wie zuviele Gase im Darm ... hat also erstmal nix mit Darmkrämpfen zu tun.
Aber ... wenn der Darm nicht mehr funktioniert, egal, ob die Darmmuskeln verkrampft sind und so eben keine
Peristaltik mehr da ist, oder die Darmmuskeln dauerhaft entspannt sind und so eben auch keine
Peristaltik mehr da ist, kann der Nahrungsbrei nicht mehr weitertransportiert werden. Mikroorganismen können jedoch immer noch aktiv sich im Nahrungsbrei bewegen und werden genau dorthin marschieren, wo es das leckerste Futter für sie gibt - dort bleiben sie dann, fressen, wachsen und vermehren sich - und setzen dabei Gase frei. Je mehr Mikroorganismen an einem Ort stoffwechseln und sich vermehren, desto mehr Gase werden freigesetzt. Wenn der Nahrungsbrei im Darm nicht mehr (genügend) weitergeschoben werden kann, können die Gase nicht mehr aus dem Darm geschoben werden und es entstehen mehr Gase, wie durch die Darmwand entsorgt werden kann - das sind dann Blähungen, auch Fehlgährungen oder, wenn es besonders viele Gase werden, auch Kolik genannt. Wenn der Darm derartig gedehnt wird, daß er einem großen Hohlraum, sprichweg Resonanzkörper wie bei einer Trommel, entsteht, man also auf dem Bauch des Kaninchens durch Klopfen ein deutliches Trommelgeräusch erzeugen kann, nennt man es Trommelsucht.
Wir haben jedoch nun auch den gegenteiligen Effekt, wenn die
Peristaltik noch voll funktionstüchtig ist, nun aber anderweitig Blähungen entstehen (beispielsweise durch Pelletfütterung oder durch zuviel Mehlsaaten im Futter), kann die Spannung, die durch die Gase im Darm auf die Darmwand entsteht, es passieren, daß es zu Fehlsignalen in der Darmwand führt. Die Darmwandmuskeln verkrampfen. Das Ganze wird noch dadurch verstärkt, daß durch die Schmerzen auch die Bauchmuskeln verkrampfen. Die
Peristaltik kommt zum Erliegen, das Kaninchen bläht immer weiter auf bis zur Trommelsucht und verstirbt irgendwann.
Es kann jetzt fatalerweise auch das Gegenteil durch die Blähungen passieren - die Darmwand ist überfordert, bekommt nicht mehr genügend Energie für die Muskelzellen, die Darmperistaltik kommt zum Erliegen, weil die Muskeln aufgrund zuwenig Energie nicht mehr sich zusammenziehen können!
Gleiche Ursache, zwei absolut verschiedene
Symptome!
Wenn der Darm sich verkrampft, verkrampft sich auch die Bauchmuskulatur in charakteristischer Art und Weise. Mit sehr, sehr viel Übung kann man den Unterschied zu einer nur durch Schmerzen verursachten Bauchverkrampfung ertasten. Es ist dem erfahrenen TA also möglich, Darmkrämpfe von Darmerschlaffung durch Abtasten zu unterscheiden. Ein weiteres Diagnosehilfsmittel ist die Kotbeschaffenheit, Durchfall spricht eher für Darmerschlaffung, Verstopfung eher für verkrampften Darm. Weitere
Symptome kommen hinzu, die Augen wirken bei einer Darmverkrampfung anders wie bei einer Darmerschlaffung, die Atmung ist anders und es gibt sicherlich noch mehr, worauf ein TA achten kann. Ein
Symptom alleine reicht dabei nicht aus, zu entscheiden, ob es sich gerade um einen verkrampften Darm, einen erschlafften Darm oder einfach nur Blähungen bei normaler Darmperistaltik handelt oder sogar um einen verkrampften oder erschlafften Darm ohne Blähungen (gibts nämlich auch).
Buscopan wiederum wirkt genau dort, wo das Signal zum Zusammenziehen der Darmmuskeln entsteht. Bei einem Krampf wird das Dauersignal, was erst zu den Muskelkrämpfen führt, unterbrochen, die Bauchmuskulatur wird kurzzeitig lahmgelegt und wird weich und dadurch bekommt der Darm die Chance, die Muskeln wieder zu synchronisieren und die Darmperistaltik wieder normal ablaufen zu lassen. Das Kaninchen kann endlich wieder seinen Nahrungsbrei weiterschieben, Köttel formen und scheißen - und damit auch die ganzen Mikroorganismen, die sich da inzwischen im Darm vermehrt haben, elegant nach draußen schieben samt der zuvielen Gase. Buscopan hat also dem Kaninchen das Leben gerettet, ohne Buscopan wäre das Kaninchen gestorben.
Ist die Darmperistaltik normal, wird fatalerweise von Buscopan kurzzeitig die Darmmuskulatur lahmgelegt, die Darmperistaltik kommt kurzzeitig zum Erliegen. Sind noch andere Darmprobleme vorhanden, wie beispielsweise Blähungen, kann dieser kurze Stillstand dazu führen, daß die Darmperistaltik nicht mehr richtig anspringt, zu schwach weiterläuft oder sogar ganz zum Stillstand kommt. Ein Teil der Kaninchen überlebt, ein Teil der Kaninchen stirbt ...
Ist die Darmperistaltik eh zu schwach oder sogar schon zum Erliegen gekommen, sorgt Buscopan dafür, daß die Darmperistaltik gar nicht mehr funktioniert, der Darm kommt zum vollständigen Erliegen, das Kaninchen stirbt zu 100%.