Ursprünglich war eine Tinktur ein alkoholischer Pflanzenauszug, der wässrige Auszug wurde je nachdem, ob er gekocht oder gebrüht wurde, Absud oder Tee genannt ... tja, mordernerart und Weise verschwimmen nun die Begrifflichkeiten - und es wird bei den wässrigen Ersatztinkturen vergessen, daß diese gar nicht so wirken können, wie die alkoholischen Äquivalente!
Der Hintergrund ist, daß Alkohol andere Wirkstoffe aus den Pflanzen herauszieht, wie Wasser. Alkohol hat einfach die Eigenschaft, daß er sowohl hydrophile, wie auch hydrophobe Wirkstoffe aus den Pflanzen herauslösen kann, mit Wasser lassen sich nur die hydrophilen Wirkstoffe herauslösen. Ätherische Öle beispielsweise lassen sich größtteils nur in Alkohol oder Öl lösen und nicht in Wasser.
Wasser hat zudem den Nachteil, daß die wichtigen Wirkstoffe sich in der Regel nur unter Hitzeeinwirkung herauslösen lassen - und genau diese Hitzeeinwirkung zerstört wiederum etliche andere wichtige Wirkstoffe.
Sowohl Öl, als auch Alkohol lösen Wirkstoffe auch ohne Brühen und Kochen in wirksamer Menge aus den Pflanzen und das ganz ohne, daß das Pflanzenmaterial nach einigen Tagen oder Wochen, je nachdem, wie lange es halt angesetzt wird, gammelt.
Alkohol ist übrigens, solange man es nicht übertreibt und den 70%igen alkoholischen Auszug kübelweise säuft, sondern tröpfchenweise zu sich nimmt, ein sehr natürlicher Lebensstoff mit eigenen, heilenden Eigenschaften. Beispielsweise wird durch den Alkohol das Andockverhalten diverser Stoffe, wie Thymol und Co, positiv beeinflußt. Mit Ölen als Lösungsmittel wird dieses Andockverhalten gehemmt, Wasser reagiert da eher neutral. Kurzum, die höchste Wirkung haben immer die alkoholischen Auszüge, also das, was mal ursprünglich noch vor 100 Jahren als Tinktur bezeichnet wurde.