Um noch mal ein wenig auf den Vergleich von Katz und Kanin einzugehen ...
Wenn hier der Winter besonders streng ist und wirklich nix mehr zu Beißen zu finden ist, auch nicht für die Katzen, einfach weil sich die Mäuse in ihren Bauen verbarrikadiert haben, dann überleben die hiesigen Kaninchen immerhin bis März/April und verhungern erst dann, wenn die Fortpflanzungssaison beginnt und sie ihren
Stoffwechsel wieder auf Normaltempo bringen, die nichtgefütterten hiesigen Katzen dagegen verhungern schon im Januar/Februar ... Katzen haben nämlich das Problem, daß sie durch ihren enorm schnellen
Stoffwechsel angewiesen sind auf eine mehr oder weniger gleichmäßige Nahrungsversorgung, welche sie normalerweise durch die Vermehrungsfreude ihrer Beutetiere haben - Kaninchen dagegen sind angepaßt an Magerzeiten und schalten einfach ihren
Stoffwechsel ein paar Gänge runter. Wildlebende Kaninchen können in Schlechtwetterperioden durchaus mehrere Tage ohne Nahrungsaufnahme nur mit Hilfe ihres Blinddarmkotes überleben, Katzen verhungern in dieser Zeit, wenn sie keine Mäuse oder Futterstelle über mehrere Tage finden ...
Wenn man norwegische Waldkatzen aus Wohnungshaltung im tiefsten Norwegen nach Südafrika in Wohnungshaltung verfrachtet, leiden die Katzen zwar unter dem gleichen Jetlag wie wir Menschen auch, aber sie haben kein Problem mit den Temperaturunterschieden - Kunststück, von einer beheizten, trockenen Wohnung mit 20°C in eine gekühlte, trockene Wohnung mit 20°C verfrachtet zu werden, stellt keine großen Anforderungen an den Organismus.
Ganz anders ging es den Bauernkatzen, aus welchem die norwegische Waldkatze gezüchtet wurde - als diese teils im tiefsten Winter aus dem verschneiten Finnland ins sonnige Süditalien verfrachtet wurden, starben fast die Hälfte der Katzen an Hitzschlag. Lange Zeit galt deshalb die norwegische Waldkatze in Italien als sehr empfindlich. Man kann das sehr gut in alten Zuchtbüchern aus Italien nachlesen.
Es gibt keine Hinweise, daß den Kaninchen, die vom verregneten Großbrittanien ins trockenheiße Klima von Südafrika, nach Australien und ka wo alles wohin gekarrt wurden, das gleiche Schicksal erlitten ... es ist sehr wahrscheinlich, daß diese Kaninchen diese Tortur und den Klimawechsel ohne Probleme wegsteckten.
Wildlebende Kaninchen sitzen normalerweise im Winter nicht in ihren Bauen (welche zwischen 5°C und 10°C warm bleiben, auch wenn keine Kanin drin sind), sondern in der Nähe ihrer Baue unter Büschen, wenn sie schlafen. Auch bei -30°C in Sibirien. Sie suchen die Baue nur dann auf, wenn sie Angst vor Beutegreifern haben ... oder halt - ich lüge, stimmt nicht ganz ...
... gibt nämlich auch witterungsbedingte Gründe, wo Kaninchen ihre Baue aufsuchen und nicht mehr verlassen:
- langanhaltende naßkalte Schlechtwetterperioden bei um die 0°C und wechselndem Niesel- bis Starkregen. Es kommt vor, daß hier die "Wild"kaninchen über mehrere Tage den Bau nicht mehr verlassen.
- Hagel, Sturm und/oder Gewitter
- starke Dauerregen und kurze heftige Platzregen
- hohe Temperaturen (wobei sie da bei besonders hohen Temperaturen durchaus auch mehrere Tage im Bau bleiben können, vor allem, wenn es nachts nicht mehr richtig abkühlt)
Wo sie ohne Feinddruck die Baue nicht aufsuchen, sondern unter Büschen übernachten, ist bei extremer (und dadurch trockener) Kälte, trockenem Herbstwetter, generell kühlen Trockenperioden, starker Schneefall.
Trofugefütterte Wohnungskaninchen, welche nix anderes kennen, wie Kuntibunti, ihren eigenen Dreck und Hamsterknast, kommen ohne Probleme ohne Eingewöhnung mit Parkanlagen, Friedhöfen und Waldrändern klar, ich habe oft genug in Berlin Kaninchen beobachtet, welche dort auf irgendwelchen Grünflächen ausgesetzt wurden. Es passierte nur sehr, sehr selten, daß diese Kaninchen wenige Tage später weg waren - meist waren sie dann vom Tierschutz eingesackt worden, nur selten fallen sie Fuchs und Co oder dem Straßenverkehr zum Opfer.
Wohnungskatzen dagegen verhungern schlichtweg ohne geeignete Auswilderung selbst dann, wenn sie in ideales, deckungsreiches Mauseparadies gesetzt werden. Sie müssen die richtigen Jagdtechniken erst lernen, Kaninchen wissen schon alles überlebenstechnische von Hause aus. Die feral Cats in Berlin rekrutieren sich fast ausschließlich aus eigenen Reihen und ab und an mal Freigängern, welche sich selbst auswildern. Echte Wohnungskatzen, die in Berlin ausgesetzt werden, hungern, werden von Greifvögeln geschlagen, vom Fuchs gefressen oder fallen dem Straßenverkehr zum Opfer.
Hauskaninchen gehören zu den anpassungsfähigsten Tierarten überhaupt, gibt nur eine Handvoll Tierarten, die noch überlebenstüchtiger und anpassungsfähiger sind, wie Kaninchen. Katzen sind zwar auf ihre Art ihrerseits Überlebenskünstler, sind jedoch lange nicht so gut darin, wie Kaninchen.