Murx Pickwick hat geschrieben:
Ich hoffe, sie findet mich nie ...

Erstmal möchte ich nochmal sagen, dass mich dieses Thema jetzt sehr interessiert
Ich hoffe nur, dass ich dir nicht auf den Geist gehe und dass ich v.A. nicht den ganzen Thread versaue mit lauter off-topic-Gefasel. Sonst muss man den am Ende in 10 verschiedene Threads aufteilen
Jetzt wird es nämlich lang
Ich hab jetzt einen zwar etwas doofen aber leider einzigen Link zu meinem traditionellen Kretakochbuch gefunden
http://www.explorecrete.com/german/kreta-diat-de.htmlLiteraturangaben zu den Studien liefer ich, wenn es von Interesse ist, nach. (Jetzt bin ich ehrlich gesagt zu faul dazu, weil das ja doch eine mühsame Sache ist die ausm Buch abzuschreiben. Sind ja doch einige.)
Zunächst möchte ich die genauen Werte der Studie aufschreiben, damit hier von uns nicht rumspekuliert wird.
Ernährungsgewohnheiten in Gramm pro Tag:
Nahrungsmittel: Kreta/Mittelmeerländer/Holland/USA
Brot: 380/416/252/97
Hülsenfrüchte: 30/18/2/1
Gemüse: 191/191/117/171
Obst: 464/130/82/233
Fleisch: 35/140/138/273
Fisch: 18/34/12/3
Fette: 95/60/79/33
Alkohol: 15/43/3/6
Milchprodukte wurden bei der Studie jetzt nicht untersucht.
Im Buch steht aber, dass auf Kreta Milch nur in der Kindheit höchstens bis zur Pubertät getrunken wird. Danach wird nur noch Käse und Joghurt verzehrt. Es gibt keine Kuhmilchprodukte. Nur Ziege und Schaf, die dort frei auf der ganzen Insel weiden und die wilden Kräuter fressen. Organisierte Gehege gibt es nicht.
Zu Brot steht da, dass ein kretisches Sprichwort besagt, dass alle Gerichte für den Magen die Fäden sind, das Brot aber der Webstuhl ist.
Mit dem Wort Brot meinen die Kreter meist ein vollständiges Gericht oder Abendessen.
Man sagt: „komm lasst uns Brot essen“, eine Einladung die ein vollständiges Gericht erfasst.
Weiter im Text geht hervor, dass die Kreter sehr viel Brot essen aus Weizen oder Gerste. Hauptsächlich wird ein doppelt gebackenes Vollkornbrot mit Kleie gegessen (Sauerteig).
Weißbrot wird nur an Festtagen gegessen (Hefeteig).
Die Kreter sind sehr gläubig und Brot hat für sie also auch eine symbolische Bedeutung.
Die Kreter sind bekannt dafür aus ihrem Brot wahre Meisterstücke zu kreieren. Kunstvolle Brote mit reliefartigen Darstellungen und Symbolen. Auf Kreta gibt es sehr viele verschiedene Brote für jeden Anlass. Opferbrote, Brote für den täglichen Bedarf und Brote für bestimmte Anlässe.
Es werden weiterhin noch Teigwaren aus Weizenmehl, grob gemahlener Weizen und süßes Gebäck gegessen.
Der Trick warum die Kreter das Getreide so gut vertragen liegt bestimmt darin:
Die Kombination der Zutaten und in welcher Kombination mit anderen Nahrungsmitteln sie es essen. Dann backen sie ihr Brot zwei Mal und es ist ein Kleiehaltiges Vollkornbrot.
In anderen Ländern (z.B. auch Mittelmeerländer) wird ja eher viel Weißbrot gegessen.
Ich denke der Mensch hat sich an das Getreide trotz 500 Generationen weitgehend angepasst. So wie er sich auch an Milchprodukte und das Kochen von Essen angepasst hat. Viele Lebensmittel kann man ja nur durch das Kochen essen, da sie in rohem Zustand wirklich ungesund wären. Ich könnte mir vorstellen, dass rohes Getreide z.B. für unseren MGT nicht so gesund ist? Von rohem Mehl kann man ja wirklich schlimme Bauchschmerzen bekommen.
Es kann gut sein, dass die gesündeste Nahrung für uns, die der Bonobos wäre?! Aber wir leben ja auch so noch und haben uns wie ich finde massiv ausgebreitet! Und wir haben uns AUCH wegen unserer Nahrung zu dem gebracht was wir sind ob es nun gut ist oder nicht (das ist ne andere Diskussion). Wir sind die selbsternannten Herrscher der Welt und das trotz Getreidekonsum. Man könnte auch sagen gerade wegen unserem Nahrung-„gestalten“.
Ansonsten denke ich immer noch, dass der Trick für ein langes und v.a. gesundes Leben das „weniger Essen“ bzw. die Aufnahme von wenigen Kalorienbomben ist. Viel Obst und Gemüse haben neben den tollen Inhaltsstoffen einfach wenig Nährwert. Unser Essen besteht aus viel zu vielen Kalorien. Eine fettige Pizza von der Imbissbude ist einfach zu viel des Guten. Dann spielt natürlich noch Bewegung eine Rolle für die Verdauung und Fettverbrennung. Da wir uns wenig bewegen werden wir einfach fett und krank. Das ist dann gar nicht mehr das Getreide allein was schuld ist.
Ich denke also, dass es nicht die 10% sind beim Getreide die gesund machen, sondern die Kombination der anderen Nahrungsmittel die man noch außer dem Getreide ist.
Ich denke ein Mensch der sich ungesund ernährt, aber dafür WENIG, ist gesünder als einer, der sich gesünder ernährt aber viel mehr isst. Dieser Mensch bekommt zwar mehr gute Sachen, wie z.B. Vitamine ab, aber einfach die Menge an Essen macht dann doch kränker. Vor allem wenn es dann auch noch die gleiche ungesunde Nahrung ist. Aber das ist ja alles schon bekannt und nix Neues alles. Du schläfst jetzt sicher schon ein
Vollkorn-Getreide an sich ist ja schon auch gesund durch seine Vitamine und Mineralstoffe. Es enthält aber wie ich jetzt im Thread eben diskutieren wollte und schon am Anfang beschrieben habe blutzuckersenkende Glykoproteine, die als Amylase-Inhibitoren wirken. Diese hemmen die enzymatische Aufspaltung der Stärke durch Amylasen. Weiter sind eben noch Phytinsäure zu nennen, die auch die alpha-Amylase hemmt. Dies würde ja auch erklären weshalb, neben den Ballasstoffen, Vollkornprodukte den Blutzuckerspiegel nicht so stark steigen lassen wie Weißmehlprodukte.
In Hülsenfrüchten wären blutzuckersenkende Tannine und Lektine enthalten. Es macht also auch Sinn Hülsenfürchte in Kombination mit Getreide zu essen. Dies wird ja auch in vielen Kulturen so getan.
ABER für Meerschweinchen ist jetzt dieses Thema für mich auch gestorben, macht wahrscheinlich nicht so Sinn wie für den Menschen.
Für den Menschen ist aber außerdem noch das wichtigste Argument

: Obwohl du selber Getreide so ungesund findest machst du dir ja auch ein Sauerteigbrot!
Dann noch weil's so "schön" passt:
Ich hatte heute ersten Arbeitstag nach meinem Urlaub wieder und war gleich auf der Plant and People Konferenz die jetzt bei uns im Institut noch 2 Tage lang stattfindet.
Da geht es fast nur um Ernährungsfragen der Zukunft (du würdest es hassen) und wie wir tollen Wissenschaftler die lösen.
Das ist dann wieder ein Gebiet wo ich auch eher skeptisch bin.
Man will sich das dann immer damit rechtfertigen, dass 2050 9,2 Mrd Menschen leben werden die trotz Klimaerwärmung ernährt werden müssen. Das geht dann natürlich nur über diese Pflanzen.

Noch ne Anmerkung: ich hab bei mir ein Buch im Regal gefunden was ich mal vor 15 Jahren gelesen hab und leider wieder den Großteil vergessen hab. Es ist aber sehr lesenswert fand ich. Es heisst Wohlgeschmack und Widerwillen (Die Rätsel der Nahrungstabus) von Marvin Harris.