sry ... fünf Bakterienarten im Verhältnis zu einer intakten Dickdarmgesellschaft mit über 200 Arten ist etwa wie eine Weidelgras-Weißklee-Turbo-Monokulturwiese mit ca. 8 Arten im Vergleich zu einer alten Magerweidenwiese mit 80 Arten!
5 Bakterienarten an der Darmwand IST eine Monokultur!
(Wenn ich die Bierhefe mir genau anschau, werd ich vermutlich auch auf 2 - 5 Mikroorganismen kommen - auch ein einziger Witz gegenüber der Sauerteiggesellschaft oder der Schimmelkulturgesellschaft)
Einige Escherichia coli-Stämme haben übrigens ähnlich wie Darmparasiten spezielle Dauerstadien, welche erst im Magen angesäuert werden müssen und mit dem Laugenbad im Zwölffingerdarm endgültig aufgebrochen werden. Diese Wand dieser Dauerstadien ist zudem hoch variabel, jeder E. coli Stamm hat da ganz eigene, mehr oder weniger gut funktionierende Erfindungen gemacht. Der Grund, weshalb E. coli so weit verbreitet ist - immerhin kann E. coli im Gegensatz zu Milchsäurebakterien nicht nur im Darm vorkommen, sondern in Klärgruben und im Wasser überleben und sogar richtig leben, wenn genügend Nahrung da ist!
Und zu allem Überdruß ist E. coli einer der Hauptvektoren für den horizontalen Genverkehr ...
Und dennoch ... auch in der Variante EHEC kommt Escherichia coli nur in Ausnahmefällen in den Darm ... nämlich dann, wenn der Mensch schon vorher geschädigt wurde, sei es, daß sein
Immunsystem im Eimer oder auf Urlaub ist, sei es, weil die Magensäureproduktion nicht vernünftig funktioniert (bei vielen Menschen ist der pH-Wert im Magen erhöht, mit nem pH-Wert von drei und drüber und der im menschlichen Magen sehr kurzen Einwirkzeit überleben sogar normale Milchsäurebakterien - und sowas wiederstandsfähiges wie Escherichia coli erst recht), sei es, daß der zugehörige Mensch eh schon vorher Durchfall hatte und damit die Magenpassage noch flotter ist, wie normalerweise schon.
Kurzum, ich esse, trotz meines empfindlichen Darmes, ohne mit der Wimper zu zucken mit EHEC angereicherten Kohl vom Feld, ohne daß ich Durchfall bekomme oder anderweitig erkranke - eine normale berliner Schrippe dagegen ist für mich das reinste Gift ...
Gelangt trotzdem E. c. in den Darm, gibts nen Flotten, das braucht nicht mal EHEC zu sein, beliebiger E. coli reicht aus ... was EHEC auszeichnet, ist nur die inzwischen flächendeckende Verbreitung in der Gemüsetheke, die normalen E. c. wirst du dort nicht finden.
Die Verhältnisse bei den Meerschweinchen und Kaninchen sehen hier anders aus:
- von Natur aus ein pH-Wert, der nur schwer über Fütterung über einen pH-Wert von 2,5 zu bekommen ist, normal ist ein pH-Wert von knapp unter 2
- Einwirkzeiten im Magen von mehreren Stunden; bei "hungernden", also natürlich geschwächten Tieren sogar von Tagen im Gegensatz zum Menschen, Hunden und Katzen mit Einwirkzeiten von nur wenigen Stunden oder sogar noch kürzerer Verweilzeit im Magen.
Tatsächlich erkranken Meerschweinchen und Kaninchen so gut wie nie an EHEC, da muß man sie vorher schon ordentlich fütterungstechnisch versaut haben, bevor das möglich ist ...
Ach ja ... ein Kuriosum im Netz gefunden:
MediRabbit.com: Dürfen Kaninchen Joghurt- oder Milchprodukte?Mal jetzt ganz von diesem wunderbar ausgefeilten und stilistisch äußerst kunstvollem Deutsch mal abgesehen, die Argumente sind doch perfekte Argumente gegen BBB, oder nicht?

Ansonsten kann man wohl kaum in noch weniger Sätzen die Vorurteile vor Joghurt zusammenfassen ...

Was aber wiederum interessant ist, ist die Literaturliste, die dranhängt, ich weiß nur noch nicht, wie ich da drankommen soll (wobei - den Weber sollte Andreas Rühle haben ... ):
Yu B, Tsen HY. Lactobacillus cells in the rabbit digestive tract and the factors affecting their distribution. J Appl Bacteriol. 1993 Sep;75(3):269-75.
Nakata M, Honma T, Noguchi Y, Yoneda S, Fukuda Y, Yoshida S, Takubo K. Morphological changes in rabbit pleura induced by Lactobacillus casei (LC9018). Gan To Kagaku Ryoho. 1987 Jul;14(7):2381-4.
Weber A, Christ-Vietor M, Schliesser T. Studies on bacterial intestinal flora of young rabbits in relation to diet and age. Zentralbl Bakteriol [Orig A]. 1974;229(1):109-16
Zitat:
Mir ist noch ein Beispiel eingefallen mit dem Joghurt. Wir Frauen (fast alle) kennen ja auch mal so nen bösen Hefepilz der sich bei uns unter der Gürtellinie einschleichen kann.
Am Anfang hilft auch schon nur Joghurt. Wenn es aber schon weiter fortgeschritten ist hilft auch der Joghurt zum "Verdrängen" nicht mehr. Dann muss doch nen Antifungizid wie Clotrimazol her.
Würde man sich jetzt auch da mit probiotischen Kulturen alles versauen?
Natürlich versaust du dir da alles mit probiotischen Kulturen ... die fördern die Hefen auch noch (kannst du mit Actimel prima ausprobieren

), während ein Joghurt, länger wie 24 Stunden gereift mit garantiert abgestorbenen Joghurtkulturen (kannst du unterm Mikroskop nachkontrollieren) in dem Falle deutlich besser hilft, wie der gekaufte Joghurt ...
Hier ists nämlich das
Immunsystem, was über Eiweißbestandteile des Lactobacillus casei in Alarmbereitschaft gesetzt wird - und wenn es schon im Nahrungsbrei nix mehr zu bekämpfen findet, halt im Darm anfängt aufzuräumen, wo die armen Hefen sitzen.
Dazu kannst du übrigens auch abgetötete EHEC nehmen - geht sogar noch besser!
Oder aber du fängst an, Meerettich und Kohl zu futtern wie blöd - allerdings roh, nicht gekocht. Zusätzlich kannst du dann noch zur Abrundung Echinacea-Auszüge zu dir nehmen. Ist das gleiche Prinzip - hilft auch ...
Wenn du einen Originaljoghurt mit L. bulgaricus hast, wird der bei Hefen nicht viel bringen ... L. bulgaricus enthält Wirkstoffe, die direkt auf die Darmwand wirken, ähnlich wie Thymol im Thymian. Da hat man nur noch den Effekt über ein äußerst gut verdauliches Lebensmittel, welches Aminosäuren, Mineralstoffe und Vitamine in einem fast optimalen Verhältnis zur Verfügung stellt.
Übrigens, einen starken Befall mit Hefen beim Menschen bekommt man auch sehr gut weg, wenn man einfach die Ursache abstellt, welche erst zur Vermehrung der Hefen geführt haben, dazu brauchts kein Clotrimazol ... blöd bloß, wenn die Ursache nicht abstellbar ist, wie beispielsweise bei den vielen Deutschen, die nicht mal zwei Jahre gestillt wurden und deren Darm und
Immunsystem deshalb nie korrekt ausreifen konnte ... aber da hilft Clotrimazol oft auch nicht mehr ...
Kefirkulturen sind meines Wissens noch nicht auf Magensäureresistenz und Andockverhalten im Darm gezüchtet worden, Kefir gilt ja auch nicht als so wirkungsvoll wie Joghurt ... also ist die Nahrungsmittelindustrie noch gar nicht auf die Idee gekommen, daraus Kaktimel und CoKG zu machen ... wird aber noch kommen, spätestens dann, wenn nachgewiesen wird, daß Kefir besser wirkt wie Joghurt.
Zitat:
Mir ist noch eingefallen, dass es in der Zeit WISSEN grad über Nahrungsmittel geht und die erste Serie ist über Milchprodukte. Könnte man sich ja auch mal kaufen
Könnte man ...
Ich würd da allerdings eher zur DGE latschen und mir deren Artikel holen, denn auf denen basiert dieser Artikel mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in der Zeit WISSEN und würd mir da, ohne die Artikel zu lesen, die Literaturliste rauskopieren ... die Originalstudien sind für mich interessant.
Das, was bei die Zeit WISSEN ankommt, ist das, was auch bei dem Spiel "Stille Post" am Ende herauskommt ... du kennst doch das Spiel, oder?
